Interview mit Melanie Stegemann

Aufstand im Internet

Knapp 30.000 Menschen wollen dank ihr mehr Demokratie: Melanie Stegemann ist Moderatorin der Internetgruppe „Der Aufstand“. Wir haben nachgefragt, wie sich Basisbewegungen im Internet organisieren.

Melanie Stegemann

Die Gruppe „Der Aufstand“ ist an zwei Stellen im Netz zu erreichen. Es begann über die Webseite wer-kennt-wen.de; dort muss man sich anmelden. Ohne Anmeldung kann man über die Gruppe über der-aufstand.com kennen lernen. Über 300.000 Menschen sind dort in acht Gruppen vernetzt.

 

Wie sind Sie zu der Aufgabe gekommen?

Mich stört die Passivität, mit der viele Menschen die Tagespolitik verfolgen. Viele trauen sich nicht mehr, an Alternativen zu denken. Deswegen möchte ich mit Menschen reden und sie informieren. Dabei verstehe ich unter dem Begriff „Aufstand“ keine bewaffnete Revolution. Ich denke daran, dass wir aufstehen und gemeinsam etwas tun.

Der Stand in Mainz

Wir sind zu verschiedenen Themen aktiv: Neben dem Volksentscheid kümmern sich auch Menschen um Hartz4 oder Datenschutz. Neue Themen finden wir über die Diskussion in den Foren. Wir sind eine Bürgerinitiative, überparteilich und unabhängig.

 

Mittlerweile informiert Ihr ja viele Menschen über die Homepage. Seit wann läuft „Der Aufstand“?

Wir haben im Mai 2008 angefangen, ursprünglich waren wir nur zu viert. Seit November nennen wir uns nun „Der Aufstand“. Viel Zulauf hatten wir letzten Sommers auf Grund des Unmutes über die hohen Benzinpreise. Wir wollen diese Wut nutzen, um dauerhaftes Interesse für die Politik zu erzeugen.

Die Aktiven kommen von überall her: Wächtersbach, Kaiserslautern, Mainz, Aschaffenburg, München, Marburg, Gießen, ... . Wir haben uns erst nach acht Monaten zum ersten Mal getroffen - am 22. November sind wir nach Aschaffenburg gefahren. Dort haben wir einen Infostand gemacht.

 

Wie viel Zeit braucht es, eine so aktive Gruppe aufzubauen? Du verbringst doch sicher einige Stunden täglich am Bildschirm?

Nun ja, ich schaue schon jeden Tag, was los ist. Ab und an werden es drei bis vier Stunden. Das ist aber zum Glück nicht jeden Tag so.

Wir haben jetzt eine eigene Internetseite: der-aufstand.com. Damit können wir nun auch Menschen erreichen, die sich nicht bei „Wer kennt Wen“ angemeldet haben. Die Seite macht zum Glück nicht ganz so viel Arbeit.

Die größte Herausforderung ist es, die Besucher dazu zu bringen, auf unsere Seite zurückzukommen. Dazu müssen wir interessant bleiben.

Neben aktuell diskutierten Themen machen wir auch auf Kampagnen von Mehr Demokratie aufmerksam.

 

Der erste Infostand in Aschaffenburg.

Also nutzt Ihr die Plattform „Wer kennt wen“ für Eure Tätigkeit – kann man die als „elektronische Infostandarbeit“ bezeichnen?

Ja, der Begriff passt. Man kann dort Gruppen und Menschen ansprechen, in Foren diskutieren, Links setzen... vieles ist wie bei der Straßenarbeit, nur das man sein Gegenüber nicht sieht.

 

Wir habt Ihr von Mehr Demokratie erfahren?

Vor einiger Zeit bin ich auf Eure Webseite gestoßen und habe gleich ein Info-Paket bestellt.

Während unsere Arbeit bei „Wer kennt wen“ diskutiert haben, kamen wir drauf, dass es den bundesweiten Volksentscheid braucht. Ich möchte das Gefühl haben, in meinem Land an wichtigen Entscheidungen beteiligt zu sein.

Da habe ich mich wieder an Euere Informationen erinnert und weitere Unterschriftenlisten für unseren Info-Stand in Aschaffenburg bestellt. Im Moment unterstützen wir die Aktion Volksentscheid ins Grundgesetz. Wir waren inzwischen einmal in Mainz und wollen nach den Sommerferien weitermachen.

Zufrieden bin ich, wenn wir etwas dazu beitragen können, dass der Volksentscheid endlich eingeführt wird. Aber auch die anderen Themen sind wichtig; es ist ein gutes Gefühl, Leute aufzurütteln. Viele wissen zum Beispiel gar nicht, dass es vielerorts bereits Bürger- und Volksentscheide gibt. Aber auch in Deutschland und Europa sollte nicht mehr einfach immer über die Köpfe der Menschen hinweg entschieden werden können.

 

Probehängen... für eine Aktion vor dem Bundestag braucht die Gruppe noch weitere Sparstrümpfe... helfen Sie mit!

Ich habe gelesen, dass Ihr eine Aktion mit dem Namen „Sparstrumpf“ plant. Was verbirgt sich dahinter?

Wir wollen deutlich machen, dass die Menschen im Land immer weniger Geld haben. Dabei wird gleichzeitig erwartet, sich immer weiter abzusichern. Man braucht zusätzliche Krankversicherung, Geld für die Studiengebühren der Kinder, soll noch was fürs Alter sparen ... Darauf wollen wir hinweisen, in dem wir die leeren Sparstrümpfe der Bürgerinnen und Bürger zeigen.

 

Können die Leser von mehr-demokratie.de etwas tun?

Oh ja, wir wollen mindestens 5.000 Strümpfe mit nach Berlin nehmen. Wer uns unterstützen will, kann seinen Sparstrumpf (oder symbolisch einen anderen Strumpf) an folgende Adresse schicken: Der Aufstand - Postfach 1224 - 63602 Wächtersbach.

Darüberhinaus kann sich jeder an der Aktion aktiv beteiligen. Sie spiegelt die derzeitige Krise, aber auch die konkreten Probleme der Bevölkerung wieder (nicht nur in Deutschland). Wir zeigen damit, dass Zusammenhalt wichtig ist.

Den genauen Termin erfahren Sie auf unserer Homepage.

 

Viel Erfolg bei der Aktion. Wir werden davon auf mehr-demokratie.de berichten. Danke für das Interview.

 

Das Interview führte Ronald Pabst

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Die aktiven Gruppen finden Sie auf der Webseite wer-kennt-wen.de. Hierzu ist eine Anmeldung erforderlich.

Bilder vom Aufstand