Festschrift "20 Jahre Mehr Demokratie"

Mehr Demokratie wird erwachsen...

Es gibt viel zu meckern. "Die Wirtschaft", "die Umwelt", "die Renten" usw., kein Treffen ohne Gesprächsstoff. Wir würden es natürlich besser machen, leider machen es "die da". Was ist zu tun?

Einige verlassen sich auf den starken Mann. Wir haben Erfahrung, anderen reicht das noch nicht aus, Berlusconi sei Dank. Manche vertrauen auf den "Sachverständigen", besonders der, der ihn bezahlt hat und das sind nie wir. Vielleicht bringt es die "Aristokratie"? Nachdem die Vererbung in jahrtausendelanger Experimentalphase deren Unfähigkeit nachgewiesen hat, könnte man ja an eine "Aristokratie des Geistes" denken. Da war doch mal was bei Platon? Aber, wer ist "edel"? Und wer bestimmt das? Und vor allem, wie wird man ihn wieder los, wenn er "unedel" geworden ist? Aber das ist alles nicht "modern". Heute regiert der "Markt", leben wir in der "Globalisierung". Heute können Börsenzocker ganze Volkswirtschaften, wie in Thailand, Südkorea und Mexiko bereits geschehen, abstürzen lassen oder den weltweiten Finanzmarkt um 1 Billion Dollar erleichtern, wie der Internationale Währungsfonds gerade festgestellt hat. Wenn die schon sowieso die Macht haben, all das zu "machen", sollte man es ihnen dann nicht gleich ganz überlassen? Alles dreht sich doch ums Geld. Und die am meisten davon haben, verstehen doch sicher auch am meisten davon?

Wir haben Jahrtausende gebraucht, um die Idee der Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit in die Form eines demokratischen Staatswesens umzusetzen. Das ist das, über das wir jetzt meckern. Aber, wer nicht eine der genannten Alternativen vorzieht, der muss akzeptieren, dass wir die "Demokratie" gewählt haben. Er muss nicht akzeptieren, dass das, was bei uns aktuell passiert, immer die beste Form demokratischer Willensbildung des Volkes ist. "Demokratie" sind nicht in Fels gehauene Grundsätze. Demokratie lebt, wird von Menschen gemacht, reagiert auf gesellschaftliche Veränderungen. Deshalb hat "Demokratie" Fehler, macht "Demokratie" Fehler. Wer "Demokratie" will, muss an ihr arbeiten, muss sie weiterentwickeln. "Mehr Demokratie wagen" empfahl Willy Brandt der deutschen Demokratie nach dem Aufbruch der Studenten in der 68er Bewegung. Es gibt keine Patentrezepte, aber es gibt Verbesserungen und gute Beispiele. Die zeigen, dass es sich lohnt für mehr Demokratie zu streiten.

Da hat "Mehr Demokratie" noch viel zu tun.

Frank Teichmüller

ehem. Bezirksleiter der IG Metall Küste

Frank Teichmüller

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