Textbelege

Der wiedergegebene englische Text der Verfassung bezieht sich auf folgende Quelle: Draft of Fundamental Law of 14 March 2011_RP auf verfassungsblog.de. Teilweise Übersetzung von Verfassungsblog.de und Klaus Hofmann.

Präambel

Einschränkungen der Verfassungsgerichtsbarkeit

Der Budgetrat

Direkte Demokratie

Päambel

Bisher Entwurf
„In order to facilitate a peaceful political transition to a state under the rule of law, realizing a multi-party system, a parliamentary democracy and a social market economy, the Parliament hereby establishes the text of the Constitution of our country -- until the adoption of the new Constitution of our country -- as follows:“ (..) ‘O Lord, blessed be the Hungarian nation’
National Avowal of Faith
At the dawn of a new millennium, we MEMBERS OF THE HUNGARIAN NATION declare the following, with a bond of duty to all Hungarians:
We are proud that one thousand years ago our king, Saint Stephen, based the Hungarian State on solid foundations, and made our country a part of Christian Europe.
We are proud of our forebears, who fought for the survival, freedom and independence of our country.
We are proud of the outstanding intellectual achievements of the Hungarian people.
We are proud that this people fought in defence of Europe for many centuries and, through its talent and industry, has contributed to the enrichment of European heritage.
We acknowledge the role Christianity has played in preserving our nation. We respect all our country’s religious traditions.
We solemnly promise to preserve the intellectual and spiritual unity of our nation, torn apart by the storms of the past century. We consider the nationalities and ethnic groups living in Hungary to be constituent parts of the Hungarian nation. (..)
We honour the achievements of our historical Constitution and we honour the Holy Crown, which embodies the constitutional continuity of the Hungarian State and the unity of the nation.
We do not recognise the suspension of our historical Constitution – a consequence of invasions of our country. We declare that no statutory limitation applies to the inhuman crimes committed against the Hungarian nation and its people under the national socialist and communist dictatorships.
We do not recognise the legal continuity of the 1949 Communist “Constitution”, which laid the foundations for tyranny, and hence we declare it to be invalid.
We agree with the members of the first freely-elected Parliament, whose first resolution declares that our freedom has its roots in the Revolution of 1956.
We hold that the self-determination of our State, lost on 19 March 1944, was restored on 2 May 1990, with the formation of our first freely-elected representative body. That is the day we consider to be the beginning of a new democracy and constitutional order for our country.
(..)

Art. Q des Entwurfs schreibt in seinem Absatz 3 vor, dass die Bestimmungen dieses Grundgesetzes mit den Zielen des „nationalen Glaubensbekenntnisses“ und den „Errungenschaften der historischen Verfassung“ ausgelegt werden müssen.

Einschränkungen der Verfassungsgerichtsbarkeit

Bisher konnte das Verfassungsgericht alle Gesetzesakte hinsichtlich ihrer Vereinbarkeit mit der Verfassung/Grundgesetz hin überprüfen. Dies soll deutlich eingeschränkt werden:

 

Art. 24 (4):

„The Constitutional Court may (..) rule on the conformity with the Fundamental Law of Acts related to the central budget, on the implementation of the budget, on central taxes, on stamp duties and contributions, on customs duties, and on the central requirements related to local taxes, exclusively in connection with the rights to life and human dignity, to the protection of personal data, to the freedom of thought, conscience and religion, or in connection with the rights related to Hungarian citizenship, and it may only annul these Acts for the violation of these rights. Acts governing the above matters may be annulled by the Constitutional Court without restriction if the procedural requirements laid down in the Fundamental Law for the creation and publication of such rules of law have not been observed.“

 

Zudem, wie oben erwähnt, ist das Verfassungsgericht an die Leitsätze der Präambel gebunden.

 

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Gesetze nur per Zweidrittelmehrheit?

Nach dem Entwurf der Verfassung sollen alle die Grundsätze regelnden Hauptgesetze („Cardinal Acts“) nur noch mit eine Zweidrittelmehrheit geändert werden können (Artikel S (4)). Eine solche Gesetzesform ist z.B. notwendig für:

  • Staatsbürgerschaftsrecht: Weitere Gründen die ungarische Staatsbürgerschaft zu erhalten, sofern nicht qua Geburt erworben (Artikel G)
  • Nutzung der ungarischen Staatssymbole (Artikel I)
  • Schutz der Familien (Arikel K)
  • Veröffentlichung von Gesetzen, Dekreten, Verordnungen (Artikel S)
  • Religionsgemeinschaften/Kirchen (Artikel VI)
  • Parteiengesetz (Artikel VII)
  • Pressefreiheit-/Mediengesetz (Artikel VIII)
  • Wahlgesetz - Erfordernisse an die Wählerinnen und Wähler, Elternstimmrecht (Artikel XXI); (Artikel 2)
  • Militärdienst bei nationalem Notstand/ Verteidigungsfall (Artikel XXIX)
  • Beteiligung von Minderheitsethnien im Parlament (Artikel 2)
  • Rechtlicher Mandatsstatus/Mandatskonflikt (Artikel 4)
  • Parlamentssession (Artikel 5)
  • Rechte von Untersuchungsausschüssen des Parlaments (Artikel 7)
  • Rechtlicher Status des Präsidenten (Artikel 12)
  • Weitere, nicht in der Verfassung vorgesehene Aufgaben und Folgen der Rechtsprechung des Verfassungsgerichts, Regeln zum Verfassungsgerichtshof (Artikel 24)
  • Organisation und Verwaltung von Gerichten, Rechtsstellung von Richtern (Artikel 25)
  • Regeln, Funktionsweise und Organisation des Obersten Anklägers (Artikel 29)
  • Bestimmungen über Wahlen zur Gemeindevertretung, Gemeinderegierungen u.ä. (Artikel 31-33-35)
  • Regelungen zum Nationalvermögen (Artikel 38)
  • Regeln zur „Lastenteilung der öffentlichen Finanzen“, des öffentlichen Dienstes, wie auch Alterssicherung (Artikel 40)
  • Gesetz zur Rechnungsprüfung (Artikel 42)
  • Regeln der Funktionsweise des Budgetrates (Artikel 43)
  • Polizei- und nationaler Sicherheitsdienst (Artikel 44/45)

 

Weiterhin gilt das Erfordernis der 2/3-Mehrheit z.B. für folgende Fälle:

  • Kompetenzverlagerung zur Europäischen Union (Artikel E)
  • Verfassungsänderungen, neue Verfassung
  • Erklärung des Parlaments zu Mandatskonflikten eines Mandatsträgers
  • Geschäftsordnung des Parlaments (Artikel 5)
  • Wahl des Präsidenten der Republik im ersten Wahlgang durch das Parlament (Artikel 11)
  • Wahl der 11 Verfassungsrichter, Wahl des Verfassungsgerichtspräsidenten durch das Parlament (Artikel 24 (5))
  • Wahl des Präsidenten des Obersten Gerichtshofes durch das Parlament (Artikel 26)
  • Wahl des Obersten Anklägers durch das Parlament (Artikel 29 (4))
  • Wahl des Menschenrechtsbeauftragten durch das Parlament (Artikel 30 (3))
  • Wahl des Präsidenten des Rechnungsprüfungsamtes durch das Parlament (Artikel 42)

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Der „Budgetrat“

Grundsätzliche Änderungen im Haushalts- und Sozialrechts stehen nun unter dem Erfordernis einer 2/3-Mehrheit. Doch der neue Verfassungsentwurf beschränkt das vornehmste Recht eines Parlamentes, das Haushaltsrecht, noch auf eine andere Weise: Durch die Institutionalisierung eines „Budgetrats“ (und verschiebt damit auch das politische Gewicht hin zur Exekutive).

 

Artikel 43 (Verfassungsentwurf)

(1) Der Budgetrat ist ein Organ, welches die Gesetzgebungstätigkeit des Parlaments stützt und die Gültigkeit des zentralen Etats überprüft.

(2) Der Budgetrat arbeitet bei den Vorbereitungen der Gesetzgebung zum Etat in Übereinstimmung mit den Bestimmungen zusammen, die im Gesetz festgelegt werden.

(3) Die Vorab-Zustimmung des Budgetrates ist notwendig, um den Anforderungen, die in Artikel 6. (4) und in Artikel 37. (2) niedergelegt sind, zu entsprechen.

(4) Der Budgetrat besteht aus dem Vorsitzenden des Rates, dem Präsidenten der ungarischen Nationalbank und dem Präsidenten des Rechnungshofes. Der Vorsitzende des Budgetrates wird vom Präsident der Republik für einenZeitraums von sechs Jahren ernannt.

(5) Ein Supermajoritätsgesetz bestimmt die Richtlinien der Arbeit des Budgetrates.

 

 

Artikel 36 (Verfassungsentwurf)

(4) Das Parlament kann ein Gesetz zum zentralen Etat nur annehmen, wenn dieses nicht die die Staatsschulden erhöht.

 

Artikel 37 (Verfassungsentwurf)

(2) Der zentrale Etat - mit den Ausnahmen von Artikel 6 Punkt (5) - muss garantieren, dass das Niveau der aktuellen Staatsschuld nicht die Hälfte des Wertes des Bruttoinlandsprodukts vom vorhergehenden Kalenderjahr übersteigt.

 

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Direkte Demokratie

Wäre es nach dem Entwurf möglich, durch Volksgesetzgebung Änderungen herbeizuführen? Die noch geltende Verfassung, als auch der vorgeschlagene Verfassungsentwurf sehen Bestimmungen für die Volksgesetzgebung vor.Auch der Verfassungsentwurf sieht weiterhin direkte Demokratie vor. Allerdings gibt es zentrale Themenausschlüsse und ein Mindestbeteiligungsquorum bei Abstimmungen, welches die direkte Demokratie de facto verhindert. Hier die Gegenüberstellung:

Geltende Verfassung Entwurf
Article 28/C.
(1) A national referendum may be held for reaching a decision or for an expression of opinion. Carrying out a national referendum may be mandatory or may be the result of the consideration of a matter.
(2) A national referendum shall be held if so initiated by at least 200,000 voting citizens.
(3) If a national referendum is mandatory, the result of the successfully held national referendum shall be binding for the Parliament.
(4) Based on its consideration, the Parliament may order a national referendum upon the initiative by the President of the Republic, the Government, by one-third of Members of the Parliament or by 100,000 voting citizens.
(5) National referendum may not be held on the following subjects:
a) on laws on the central budget, the execution of the central budget, taxes to the central government and duties, customs tariffs, and on the central government conditions for local taxes,
b) obligations set forth in valid international treaties and on the contents of laws prescribing such obligations,
c) the provisions of the Constitution on national referenda and popular initiatives,
d) personnel and restructuring (reorganization, termination) matters falling under Parliamentary jurisdiction,
e) dissolution of the Parliament,
f) the Government's program,
g) declaration of a state of war, a state of emergency or a state of national crisis,
h) use of the Hungarian Armed Forces abroad or within the country,
i) dissolution of the representative body of local governments,
j) amnesty.
(6) A national ratification referendum shall be considered successful if more than half of the votes of the citizens voting are valid, but at least more than one-quarter of all eligible voters have given the same answer in the referendum.
8. Article
(1) The Parliament will hold a referendum upon a petition signed by at least two-hundred thousand voters. On the initiative of the President of the Republic, the Government, or one-hundred thousand voters, the Parliament may decide to hold a national referendum. The outcome of the referendum will be binding on the Parliament.
(2) The subject of a national referendum may be any issue related to the duties and the scope of authority of the Parliament.
(3) No national referendum may be held on:
a) the amendment of the Constitution,
b) the statutes concerning State Budget and its implementation, central taxes, fees pension and
health contribution customs duties, as well as on the content of statutes concerning central
requirements on local taxes,
c) the content of laws related to the election of Members of Parliament, local government
representatives and mayors, as well as Members of the European Parliament,
d) the obligations arising from international treaties in force,
e) on personnel issues, and organizational structures within the competence of the Parliament;
f) the dissolution of the Parliament
g) the dissolution of a council of representatives,
h) the declaration of a state of war, a state of extraordinary measures or a state of emergency,
i) general amnesty.
(4) A national referendum shall be valid if more than half of all voters have cast a valid vote and shall be successful if more than half of the voters casting a valid vote have given the same answer.
Article 28/D.
At least 50,000 voting citizens are required for a national popular initiative. A national popular initiative may be for the purpose of forcing the Parliament to place a subject under its jurisdiction on the agenda. The Parliament shall debate the subject defined by the national popular initiative.
 
Article 28/E.
In order to call a national referendum, signatures may be collected for a period of four months in the case of a civic initiative, and for a period of two months in the case of a national popular initiative.
 

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Parlament in Budapest - Foto: Wikipedia; Nutzer: Civerta

Dr. Klaus Hofmann hat Auszüge aus dem neuen Verfassungsentwurf zusammengestellt, die belegen, welche Auswirkungen die neue Verfassung für Ungarn haben könnte (Stand der Information: 8. April 2011).