Wahlprüfsteine zur Landtagswahl 2011

Zur Landtagswahl am 4. September 2011 haben wir Aktionen durchgeführt. Denn in unserem Volksentscheids-Ranking von 2010 landet Mecklenburg-Vorpommern mit einer Gesamtnote 4,25 auf dem 11. Platz, denn die Hürden für direkte Demokratie sind hier bisher noch sehr hoch.

Auf der Landesebene gab es bisher nur ein Volksbegehren, welches am Unterschriftenquorum scheiterte. Einen landesweiten Volksentscheid gab es noch nie. Eine lebendige direktdemokratische Praxis wird hier vor allem aufgrund des hohen Unterschriftenquorums und des bundesweit höchsten Zustimmungsquorums beim Volksentscheid verhindert.

Die kommunalen Abstimmungsrechte der Bürgerinnen und Bürger schneiden noch schlechter ab. Zu kritisieren sind vor allem das hohe Unterschriftenquorum beim Bürgerbegehren sowie das hohe Zustimmungsquorum beim Bürgerentscheid.


Im Vorfeld der Landtagswahl haben wir die Parteien befragt, wie sie zu einzelnen Demokratiereformen stehen:

    SPD CDU Die Linke FDP Bündnis 90/Die Grünen  
  Bürgerbegehren und Bürgerentscheid            
  Negativkatalog reduzieren/Bauleitplanung zulassen Soll geprüft werden. Nein Ja - Ja  
  Frist bei kassierenden Bürgerbegehren streichen Nein Nein Nein, aber Frist soll verlängert werden. - Nein, aber Frist soll verlängert werden.  
  Absenkung Unterschriftenquorum Nein Nein Ja Nein Ja  
  Kostendeckungsvorschlag als Zulässigkeitskriterium abschaffen Nein Nein Ja Nein Ja  
  Abschaffung Zustimmungsquorum Nein, aber Absenkung soll geprüft werden. Nein Ja Nein Ja  
  Volksbegehren und Volksentscheid            
  Haushaltswirksamkeit Nein Nein Ja, bis zu 1 % des Haushalts. Nein Ja  
  Senkung Unterschriftenquorum Ja Nein Ja Nein Ja  
  Abschaffung Zustimmungsquorum Nein Nein Ja Nein Keine Abschaffung aber Halbierung  
    Zu den Antworten Zu den Antworten Zu den Antworten Zu den Antworten Zu den Antworten  

Die Fragen:

1. Sind Sie dafür, den Negativkatalog zu reduzieren, so dass zumindest auch Bürgerbegehren zu Bauprojekten möglich sind?

2. Sind Sie dafür, dass die Frist bei Bürgerbegehren, die sich auf einen Gemeinderatsbeschluss beziehen, gestrichen und somit initiierenden Bürgerbegehren angeglichen wird?

3. Sind Sie für eine Senkung des Unterschriftenquorums (etwa auf 7 Prozent) bei Bürgerbegehren? Die Obergrenze von 4.000 Unterschriften bleibt erhalten.

4. Sind Sie für die Abschaffung des Kostendeckungsvorschlags als Zulässigkeitskriterium bei Bürgerbegehren? Alternativ könnten sowohl die Gemeindevertretung als auch die Initiative eine Kostenschätzung abgeben.

5. Sind Sie für eine Abschaffung des 25-Prozent-Zustimmungsquorums? Wie bei Wahlen würde die Mehrheit der Abstimmenden dann entscheiden. Oder sind Sie für eine Senkung des Zustimmungsquorums auf 10 bis 20 Prozent wie beispielsweise in Thüringen?

6. Sind Sie für eine entsprechende Formulierung, so dass Volksbegehren sich auf den Landeshaushalt auswirken dürfen?

7. Sind Sie für eine Absenkung des Unterschriftenquorums auf 5 Prozent?

8. Sind Sie für eine Abschaffung des Zustimmungsquorums? Wie bei Wahlen würde dann die Mehrheit der Abstimmenden entscheiden (so z.B. in Sachsen und Bayern). Bei Verfassungsänderungen müssten weiterhin Zweidrittel der Abstimmenden zustimmen.