Gespräch zu Glyphosat mit Bienenexperten

Dr. Klaus Wallner,
Landesanstalt für Bienenkunde

MD: Glyphosat wird besonders kritisiert wegen seiner Auswirkungen auf die Insektenvielfalt, speziell auf die Bienen. Welche Effekte sind für Bienen und den Honig feststellbar und wie bewerten Sie diese? 

Klaus Wallner: Glyphosat ist ein Unkrautvernichtungsmittel, das bei den in der Praxis ankommenden Wirkstoffmengen auf Honigbienen keine erkennbare Wirkung zeigt. Insofern ist die Darstellung, die die Öffentlichkeit serviert bekommt, auch meist falsch. Herbizide und Fungizide wirken auf Stoffwechselvorgänge (z.B. Photosynthese), die die Pflanzen, aber nicht die Bienen haben. 

MD: Was sind möglicherweise neben Glyphosat Gründe, warum Probleme für die Bienen entstehen? 

Klaus Wallner: Es gibt seltene Anwendungen von Glyphosat, die blühende Pflanzen erreichen können. Das können z.B. blühende Unkräuter in Pflanzkartoffelbeständen sein oder Kornblumen in Getreidefeldern, bei denen der Landwirt eine Zwangsreifung (Sikkation) erreichen will. In diesen Fällen wird der Nektar und Pollen durch Glyphosat kontaminiert. Im Fall der Kornblume kann das auch zu messbaren Rückständen im Honig führen und damit zu einer Imagegefährdung dieses Produkts, aber zu keiner Bienenschädigung. 

Ich sehe als einen der wichtigsten Gründe, warum wir heute Insektenarten vermissen, den Umgang mit den riesigen Grünflächen. Die Abkehr von der Heuwerbung in den Grünlandgebieten und der Umstieg auf die Silierung selektioniert die blühenden Kräuter aus den Flächen heraus und entzieht den Blütenbesuchern ihre Nahrungsgrundlage - ohne, dass dafür ein Gramm Pflanzenschutzmittel zum Einsatz kommt. Parallelen finden wir bei den Streuobstwiesen und bei der Rasenpflege. Pflanzenartenvielfalt auf den Wiesen ist die Voraussetzung für Vielfalt von Bienen (Insekten). Die Nahrungskette beginnt genau dort. 

MD: Würden Sie sich für ein Verbot von Glyphosat aussprechen? 

Klaus Wallner: In der Vergangenheit gab es große analytische Probleme, den Wirkstoff zu messen und seinen Verbleib zu verfolgen. Deshalb ist der Eindruck entstanden, dass Glyphosat kein Problem darstellt. Seit wenigen Jahren gibt es hoch sensible Messverfahren, die plötzlich eine komplett andere Situation darstellen. Ich würde mich für eine Reduktion auf ein wirklich notwendiges Maß einsetzen, nämlich dort, wo Glyphosat eine pfluglose und damit erosionsverhindernde Flächennutzung ermöglicht. Dass Straßenränder, Gehwege, Hofeinfahrten etc. damit bewuchsfrei gehalten werden (Eintrag in das Oberflächengewässer), muss der Vergangenheit angehören. 

MD: Würden Sie eine bundesweite Abstimmung über die Glyphosat-Verwendung für sinnvoll halten? Warum (nicht)? 

Klaus Wallner: Vor dem Hintergrund der derzeitigen Informationspolitik ein klares Nein. Sie hat ja dazu geführt, dass ein Großteil der Bevölkerung "gelernt" hat, dass Glyphosat ein Insektizid wäre. Eine Abstimmung würde derzeit nur auf emotionaler Ebene ablaufen. Es ist immer wieder schade zu sehen, wie in Fernsehsendungen, wie "Hart aber Fair", die Ausstrahlung nicht dazu genutzt wird, um den Zuschauer neutral und umfassend zu informieren. Ein mündiger Bürger wäre aber die Voraussetzung für eine objektive Abstimmung. 

Vielleicht sollte auch einmal diskutiert werden, dass sich das ungebremste Bevölkerungswachstum und die Geiz ist geil-Mentalität dramatisch auf die Intensität der Nutzung landwirtschaftlicher Flächen auswirkt. Das Verbraucherverhalten bestimmt mit, wie unsere Landschaften aussehen. Diese Zusammenhänge gehören in die Schul- und auch Erwachsenenbildung.

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