Gespräch zu Glyphosat mit dem BUND

Silvia Bender,
Teamleitung Biodiversität beim BUND

MD: Was kritisiert der BUND am Umgang mit Glyphosat?

Silvia Bender: Unsere Kritik am Zulassungsverfahren und der für Glyphosat gefallenen Empfehlung bezieht sich vor allem darauf, dass unabhängige Studien nicht gehört werden, dass es keine Transparenz gibt und dass die Nähe zwischen Zulassungsbehörde und Antragsteller zu hoch ist. Beim Einsatz von Pestiziden sollte die Zulassung m.E. auf Grundlage umfassender wissenschaftlicher Untersuchungen erfolgen.

MD: Der BUND wendet sich gerade mit einem Aufruf an die Bundeskanzlerin und fordert den Glyphosat-Ausstieg Deutschlands. Dabei geht es nicht nur um den konkreten Fall, sondern um die industrialisierte Landwirtschaft als solche. Zu Alternativen in der Unkrautvernichtung hat sich Martin Hofstetter von Greenpeace bereits geäußert. Wie sieht es denn zum Beispiel mit der Schädlingsbekämpfung aus?

Silvia Bender: Die umweltschonendste Alternative der Schädlingsbekämpfung ist die Einhaltung von Fruchtfolgen, das heißt einem stärkeren Wechsel zwischen den Anbaukulturen auf dem Feld. Der Schädlingsdruck ist vor allem deswegen so hoch, weil Kulturen wie Raps, Mais oder Getreide viel zu oft hintereinander auf derselben Fläche angebaut werden. Wenn man hier durch die Vorgaben von Abstandszeiten entgegenwirkt, würde der Schädlingsdruck deutlich abnehmen. Weitere Alternativen sind mechanische oder thermische Bekämpfung, Einsatz von Nützlingen, weitere Abstände zwischen den Reihen (z.B. gegen Pilzdruck) – also die Ansätze, mit denen auch der ökologische Landbau arbeitet.

MD: Mal angenommen, es gäbe bundesweite Volksabstimmungen und eine Initiative würde ein Gesetz für ein Glyphosat-Verbot auf den Weg bringen. Wie schätzen Sie die Chancen der Glyphosat-Gegner ein, sich gegen die Befürworter/innen, die es ja durchaus auch gibt, durchzusetzen?  

Silvia Bender: Angesichts der aktuellen Stimmung in der Bevölkerung würde ich davon ausgehen, dass ein Glyphosat-Verbot erfolgreich wäre. Allerdings würden die Nutznießer/innen von Glyphosat sicher eine teure Gegenkampagne starten, die auch mit solchen Argumenten wie Lebensmittelpreise etc. arbeiten würde. 

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