Gespräch zu Glyphosat mit Deutschem Bauernverband

Dr. Katja Börgermann
Referatsleiterin Saatgut / Betriebsmittel / Gentechnik / Kartoffeln

MD: Der Deutsche Bauernverband ist gegen ein Verbot von Glyphosat. Was sind nach Ihrer Ansicht die wesentlichen Argumente für Glyphosat?

Katja Börgerman: Die breite wissenschaftliche Bewertung dieses Pflanzenschutzmittelwirkstoffes lässt nur den logischen Schluss einer Wiederzulassung zu. Glyphosat gilt weder als mutagen noch als genotoxisch noch als kanzerogen. Pflanzenschutzmittel – dazu gehören dann auch glyphosathaltige – werden in Deutschland nur in Besitz einer breiten Sachkunde, die regelmäßig zu erneuern ist, ausgebracht.

MD: Wenn Glyphosat auf nationaler Ebene verboten würde, was würde das für die Landwirtschaft bedeuten?

Katja Börgermann: Das würde einen Verlust an Wettbewerbsfähigkeit gegenüber anderen außereuropäischen Landwirtschaften bedeuten. Die Alternative der Bodenbearbeitung geht nicht an allen Standorten, denn dabei besteht eine zunehmende Gefahr der Erosion, Auswaschung von Stickstoff, Zerstörung des Bodenlebens. Auch die Bodenbearbeitung beeinflusst die Biodiversität. Die Produktion würde sich verteuern.

MD: Welche Unterstützung bräuchten Landwirte von der Politik, um auf Glyphosat zu verzichten?

Katja Börgermann: Wir wünschen uns und fordern, dass wieder Fachlichkeit und wissenschaftliche Erkenntnisse die Grundlagen von politischen Entscheidungen werden; verstärkte Forschung in praxistauglichen Alternativen ist dringend erforderlich. Wir wünschen uns ein Bekenntnis zur modernen Landwirtschaft.

Der Streit um Glyphosat ist entglitten und es geht nicht mehr um diesen Wirkstoff – es geht vielmehr um die Form der Landwirtschaft, die im Übrigen die gesündesten Lebensmittel seit Menschengedenken produziert. Viele der Verbraucher sind oftmals nur bis zum Eingang am Supermarkt bereit, mehr zu zahlen – an der praktischen Umsetzung im Laden muss noch gearbeitet werden.

MD: Mal angenommen, es gäbe bundesweite Volksbegehren und -entscheide…Würden Sie eine breite Debatte in der Bevölkerung über die Vor- und Nachteile begrüßen?

Katja Börgermann: Die Debatte findet doch schon seit mindestens einem Jahr statt. Aufgrund einer sehr breiten Komplexität dieser Thematik halten wir eine gesellschaftliche Debatte auf Emotionen basierend nicht für zielführend. Die Bevölkerung muss über wissenschaftliche und fachlich sachliche Darstellungen aufgeklärt werden.

MD: Es gibt Hinweise darauf, dass das Bundesinstitut für Risikobewertung Teile seines Gutachtens direkt vom Konzern Monsanto übernommen hat. Für Bürger/innen entsteht hier leicht der Eindruck: „Das kann doch nicht im Interesse der Bauern und der Öffentlichkeit sein...“

Katja Börgermann: Die eingereichten Studien werden von den bewertenden Institutionen (bei Pflanzenschutz: Umweltbundesamt, Bundesinstitut für Risikobewertung, Julius Kühn-Institut, Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen) intensiv geprüft und werden beim Standhalten der Prüfung für die eigene Schlussfolgerung herangezogen. Das läuft nicht nur bei Glyphosat so. Dazu können Sie auch entsprechende Stellungnahmen beim Bundesinstitut für Risikobewertung lesen.

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