Gespräch zu Glyphosat mit dem Deutschen Raiffeisenverband

Dr. Michael Reininger,
Fachmann für Landwirtschaftliche Betriebsmittel beim Deutschen Raiffeisenverband

MD: Was bewirkt Glyphosat eigentlich und was spricht aus Ihrer Sicht für die Verwendung von Glyphosat?

Dr. Michael Reininger: Glyphosat ist ein weltweit zugelassener Pflanzenschutzmittel-Wirkstoff in Totalherbiziden. Glyphosat-Moleküle docken in der grünen Pflanze an einen Enzymrezeptor im Shikimat-Stoffwechsel im Chloroplasten an und blockieren diesen. In der Folge können keine Aminosäuren mehr gebildet werden, der Proteinaufbau der Pflanze ist blockiert, die behandelte Pflanze stirbt ab. Tierische Zellen haben keinen Shikimat-Stoffwechsel. Deshalb zeigt Glyphosat bei Tieren keine Wirkung.

In Deutschland wird Glyphosat in der Landwirtschaft überwiegend eingesetzt, um gleichzeitig Unkräuter sowie aufkeimende Pflanzen aus der Vorkultur abzutöten, damit – im Rahmen der Fruchtfolge – eine andere Kulturpflanze ausgesät werden kann. Wenn nur 2 Prozent der Erntemenge nicht erfasst werden kann, würde diese Menge für eine vollständige, allerdings sehr uneinheitliche Begrünung ausreichen. Dies widerspricht jedoch dem Fruchtfolge-Gedanken.

MD: Spricht etwas gegen einen Verzicht auf Glyphosat und den Einsatz anderer Methoden der Unkrautbekämpfung (z.B. mechanische Verfahren)? Falls ja, was?

Dr. Michael Reininger: Alternativen zum Einsatz von Glyphosat sind

  1. andere Herbizide, die den Naturhaushalt nicht weniger belasten oder
  2. eine wendende Bodenbearbeitung.

Im Sinne einer ressourcenschonenden und nachhaltigen Landwirtschaft wird versucht, nach Möglichkeit auf die wendende Bodenbearbeitung zu verzichten. Sie ist sehr energie- und arbeitsintensiv und der gewendete Boden ist der Wind- und Wassererosion schutzlos ausgesetzt.

MD: Wie arbeiten Landwirte, die auf Glyphosat verzichten, z.B. der Bio-Landbau?

Dr. Michael Reininger: Sie nutzen mechanische Verfahren (wendende Bodenbearbeitung, mehrmaliges Grubbern, Eggen, Striegeln etc.). Die Erntemengen liegen allerdings deutlich unter denen der konventionellen Landbewirtschaftung. In Sonderkulturen (Obst, Gemüse, Wein in Flachlagen) ist die mechanische Unkrautbekämpfung einfacher als in (deutlich dichter stehendem) Getreide und Raps. Relativ unkompliziert ist der Verzicht auf Glyphosat im Dauergrünland, wo eine Neueinsaat die Ausnahme darstellt.

MD: Müssten wir nicht eigentlich eine Debatte darüber führen, was uns hochwertige/gesunde Lebensmittel wert sind und wie viel die Verbraucher/innen bereit sind, dafür zu zahlen?

Dr. Michael Reininger: Zurückblickend waren Lebensmittel niemals hochwertiger als heute. Das lässt sich auch statistisch anhand unserer hohen Lebenserwartung und der geringen Anzahl an Lebensmittel-Vergiftungsfällen (Mutterkorn, Pyrrolizidinalkaloide, Aflatoxine etc.) belegen.

Wir würden uns freuen, wenn eine Debatte dazu führen würde, dass Landwirte mehr für ihre Erzeugnisse erlösen könnten. Im Pflanzenbau hätte dies aber nur einen geringen Einfluss auf die optimale Produktionsweise. Hinzu kommt das Problem, dass bestimmte Qualitätsaspekte für den Verbraucher nicht feststellbar sind. Folglich sind die meisten Verbraucher/innen auch nur in Meinungsumfragen bereit, für ein subjektiv identisches Erzeugnis mehr zu zahlen.

MD: Wäre es für eine solche Debatte nützlich, wenn es bundesweite Volksabstimmungen gäbe? Warum/Warum nicht?

Dr. Michael Reininger: Mir fehlt die Phantasie, worüber konkret abgestimmt werden sollte: Über Lebensmittelpreise? Der Volkszorn kocht doch schon, wenn der Butterpreis mal um 20 Cent steigt.

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