Bundestag plant Dialogforen zu Corona
Die Corona-Pandemie hat Staat und Gesellschaft in gesundheitlicher, wirtschaftlicher, sozialer und politischer Hinsicht vor enorme Herausforderungen gestellt. Zufällig geloste Dialogforen sollen helfen, die Pandemie aufzuarbeiten. Sie arbeiten einer vom Bundestag eingesetzte Enquete-Kommission zu.
Das Parlament hatte die Enquete-Kommission "Aufarbeitung der Corona-Pandemie und Lehren für zukünftige pandemische Ereignisse" im September 2025 eingesetzt. Sie arbeitet an der Frage, wie Risikobewertung, Früherkennung und Krisenbewältigung in künftigen Pandemien effektiver gestaltet werden können. Dabei sollen Erkenntnisse aus den Bereichen Gesundheitswesen, Wirtschaft, Bildung, Soziales, Politik, internationale Zusammenarbeit und öffentliche Kommunikation zusammengeführt werden, um gezielt strukturelle Verbesserungen anzustoßen. Der Kommission gehören 14 Abgeordnete sowie 14 externe Sachverständige an.
Vier regionale Dialogforen
Die Enquete-Kommission wird durch vier regionale Dialogforen mit je 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmern begleitet. Die teilnehmenden Bürgerinnen und Bürger werden eingeladen, über ihre Erfahrungen während der Corona-Pandemie zu sprechen, sich auszutauschen sowie ihre Perspektiven für den Deutschen Bundestag darzustellen. An der Veranstaltung können die Abgeordneten-Mitglieder der Enquete-Kommission sowie die Vorsitzende als Beobachterinnen und Beobachter teilnehmen.
Pro Regionalforum sollen fünf Faktenprüferinnen und -prüfer vor Ort anwesend sein, während 15 weitere sich digital verfügbar halten. Während der Sitzungen, inklusive der Beratungen in den Kleingruppen, stehen die Expertinnen und Experten zur direkten Beantwortung von Rückfragen und für Faktenprüfungen, Rückmeldungen zu Vorschlägen und ähnliche Formate vor Ort oder digital zur Verfügung. Die Fachleute reagieren dabei nur auf Fragen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, sie nehmen also keinen Einfluss auf die Diskussionen.
Um alle teilnehmenden Bürgerinnen und Bürger bestmöglich einzubeziehen, beraten die Dialogforen nicht nur im Plenum, sondern auch in unterschiedlichen Gruppenformaten (z. B. World Cafés, Breakout Sessions), insbesondere in zehn Kleingruppen von bis zu 15 Personen.
Zufallsauswahl
Für die Dialogforen werden höchstens 40.000 zufällig geloste Einwohnerinnen und Einwohner aus Städten und Gemeinden in der Nähe der Veranstaltungsorte ausgelost und zur Teilnahme eingeladen. Aus den eingehenden Bewerbungen werden Menschen ausgelost, die als Gruppe nach den Kriterien Alter, Geschlecht, Bildung, Region, Wohnort und zugehörige Branche/Berufsstatus ein möglichst gutes statistisches Abbild der Bevölkerung darstellen.
Bei der Auswahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer soll sichergestellt werden, dass die Perspektive von Menschen mit Behinderungen angemessen berücksichtigt wird. Außerdem soll ein ausreichend großer Teil der in besonderem Maße von der Pandemie betroffenen Bevölkerungsgruppen (beispielsweise Angestellte in der Pflege) an den Dialogforen teilnehmen.
Für Kinder und Jugendliche führt die Enquete-Kommission ein separates Beteiligungsformat durch.
Übergabe an den Bundestag
Die Ergebnisse der Dialogforen werden im Januar 2027 an den Deutschen Bundestag übergeben. Jedes Dialogforum wählt zehn Delegierte aus, die zu einer Übergabeveranstaltung in den Deutschen Bundestag eingeladen werden.
Die Durchführung der für Herbst 2026 geplanten Dialogforen sowie die erarbeiteten Ergebnisse fließen in den Abschlussbericht der Enquete-Kommission ein. Der Bericht soll bis Ende Juni 2027 vorliegen. Er soll konkrete Empfehlungen zur besseren Prävention, Bekämpfung zukünftiger Gesundheitskrisen und gesellschaftlichen Resilienz enthalten.
Durchführung der Dialogforen ausgeschrieben
Der Deutsche Bundestag hatte die Durchführung der Dialogforen im März 2026 ausgeschrieben. Bis zum 14. April 2026 konnten sich Beteiligungsdienstleister für die Durchführung der Losversammlungen bewerben.
