Schau mal Schatz, da brennt ein Haus

Was geschah in Athen? Im zweiten Teil unseres Berichtes berichten Roman Huber und Michael von der Lohe von merkwürdigen Beobachtungen beim Essen...

Die Polizei deeskaliert, ist vorsichtig, will keine weiteren Märtyrer. In der Nacht dann allerdings sind sie nicht mehr nur ruhig. Sie haben aber nichts mehr unter Kontrolle. Die Demonstranten sind immer einige Straßenzüge voraus.

Das Tränengas nervt wirklich, schlimmer ist das Reizgas, das setzt uns schnell schachmatt. Apokalyptische Szenen, brennende Häuser, brennende Autos, mit selbstgebauten Rammböcken werden Panzerglasscheiben eingeschlagen.

Dennoch wirken die Szenen „in echt“ lange nicht so schrecklich wie im Fernsehen - denn vor Ort sehen wir nur einen, und nicht 99 brennende Plätze. Das Bild in der Zeitung zeigt immer nur den Moment, wo das Feuer am höchsten brennt, fünfzehn Minuten später ist es schon wieder vorbei.

Angeblich wurde der fünfzehnjährige Alexis kaltblütig ermordet, im Fernsehen ist ein unscharfer Film zu sehen, aufgenommen mit einer Handykamera. (Pöhlmanns Sohn gibt ein Interview im WDR, am nächsten Tag schon im ARD, weil er einen Vater hat, der am Goetheinstitut arbeitet und aus seiner Klasse einige den 15-jährigen kannten.)

Absurde Szenen beim Abendessen, in sicherer Entfernung, Szenen wie bei Loriot, „schau mal Schatz, da brennt ein Haus, kannst du mir mal das Salz reichen, ooh schau mal, da drüben brennt schon wieder eins...“

Dann aber werfen wir uns mitten ins Getümmel – zuerst auf der Seite der Polizisten, studieren die angespannten Gesichter, dann bei den Anarchisten bis in ihre Rückzugszone, die Universitäten, die seit dem Putsch gegen die Obristen im Jahr 1973 von der Polizei nicht mehr gestürmt werden dürfen. Wir erholen uns gemeinsam vom brennenden Tränengas. Wir reden, fragen nach Motiven. Sie wissen nicht, warum sie tun, was sie tun. Außer oberflächlichem Geplapper sind sie nur emotional ergriffen, ein kollektiver Wutaufstand, eruptiv, formlos, ohne Form.

Die Volksabstimmung hingegen schüfe eine angemessene Form, eine Gestalt, ein Prozedere, in der sich auch Angestautes entladen, aber dann transformieren kann in gegenseitiges Zuhören und Anerkennen und in Lösungen mündet.

Wir waren an all den Plätzen, die wir später im Fernsehen sehen, Michael hat die gleichen Bilder gemacht, manchmal denken wir, gleich läuft einer von uns ins Bild bei den Nachrichten.

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