Ein Schiffchen für Putin, ein Schiffchen für Schröder

Was geschah in Athen? Im letzten Teil unseres Berichtes erfährt Roman Huber, was Putin und Schröder so an gemeinsamen Besitztümern haben. Und wer diese bezahlt.

Wir sind wieder zurück auf dem Syntagmaplatz am Parlament, die Szenen kennen wir schon. Tagsüber hat die Polizei die Kontrolle, aber hier sind nur "Kinder", nur Schüler und junge Erwachsene. Die Polizei spielt ihr Katz- und Mausspiel nach bewährten Regeln.

Wo ist der Premierminister, wo der Parlamentspräsident, wieso stellen Sie sich nicht dem Unmut, wieso sprechen Sie nicht mit den Demonstranten? Sie sind viel zu abgehoben und vermutlich auch zu feige, hier Aug in Aug zu stehen.

Karamanlis sondert über das Fernsehen leeres Gewäsch ab, „das könne so nicht hingenommen werden“, keine Einsicht, keine Analyse, keine Begegnung. Heute Nacht wird es wieder härter, denn am Nachmittag findet die Beerdigung statt. Ein weißer Sarg, Zeichen der Unberührtheit und Unschuld, wird zu Grabe getragen, dahinter eine vor Trauer schreiende Mutter, wie in einer griechischen Tragödie.

Morgen ist Generalstreik, da steht das Land still, wir machen uns auf den Weg zum Flughafen, um das Land noch rechtzeitig zu verlassen. Mein Nachbar im Flugzeug, der für einen großen Schiffsbauer tätig ist, erzählt mir von einem Millionenauftrag von Gazprom für vier Luxusyachten, eine ist für Putin, eine zweite für Gerhard Schröder. Ich erinnere mich an den Beratervertrag von Helmut Kohl mit Leo Kirch, er begann nach seiner Zeit als Bundeskanzler, also völlig legal: Kohl bekam 50.000,- DM pro Monat, drei Jahre lang, insgesamt also 1,8 Millionen DM. Die Gegenleistung war EIN Gespräch pro Monat.

Sonnenklar ist, es braucht zivile Formen für die Menschen, um sich zu artikulieren. Aber wir brauchen auch wieder ehrlichere und integre Politiker, auch das repräsentative System muss von Grund auf reformiert werden. Sei es durch Amtszeitbegrenzung, Abwahlmöglichkeit oder persönliche Haftung. Das ist jetzt auch nicht der Weisheit letzter Schluss, aber wir "können das so auch nicht mehr hinnehmen".

Am Ende unserer Reise steht die Tour, sie wird durch 14 Länder mit acht Sprachen gehen, durch mehrere Kulturkreise, mit Begegnungen von vielen tausend Menschen; die direkte Demokratie, aber auch die Demokratiefrage an sich werden wir besprechen.

Als Andenken nehmen wir ein paar antike Scherben von der Pnyx mit, vom Scherbengericht. Darauf ritzten die Athener den unliebsamsten Bürger der Stadt, der Name, der am meisten genannt wurde, wurde für 10 Jahre verbannt. Mehr geschah ihm nicht, sein Eigentum durfte er behalten. Er wurde einfach aus dem Spiel genommen - eine zivilere Streitschlichtungskultur als heute. Der Innenminister würde das Scherbengericht heute nicht überstehen.

Neben den Scherben haben wir einen kleinen Pflasterstein im Gepäck, der ist in Athen natürlich aus leuchtend weißem Marmor.

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