Alfred-Müller-Felsenburg-Preis für aufrechte Literatur an Claudine Nierth verliehen

Am 28. August 2022 wurde in Unna der "Alfred-Müller-Felsenburg-Preises für aufrechte Literatur" an unsere Bundesvorstandssprecherin Claudine Nierth verliehen. Mit ihrem Buch "Die Demokratie braucht uns!" gibt Nierth Antworten auf die unter Druck stehende Demokratie. Laut Nierth, kommt es jetzt auf uns alle an und in der Demokratie liegt die Lösung!

 


Das Buch "Die Demokratie braucht uns!" können Sie hier bestellen
und die Laudatio von der Preisverleihung unten nachlesen.


LAUDATIO
von  Iris Witt Geschäftsführerin Heinrich-Böll-Stiftung NRW

"Unsere heutige Preisträgerin des Alfred-Müller-Felsenburg Preises für aufrechte Literatur, Claudine Nierth, hat sich, laut Jury, als Autorin und Aktivistin "in herausragender Weise und mit einem hohen persönlichen Wirkungsgrad für eine lebendige Demokratie engagiert". Mir ist es heute eine besondere Ehre, ihr Engagement, ihr Wirken und ihre aufrechte Haltung hier würdigen zu dürfen.

Liebe verehrte Claudine Nierth,

Sie erhalten einen Preis, der so gar nicht in unsere Zeit passen möchte. Wo wird heute schon danach gefragt oder gar lobend erwähnt, ob ein Text aufrecht ist? Und dennoch, auch wenn Aufrichtigkeit nicht als Gattung in der Literatur definiert ist, haben wir alle sofort nicht nur ein Bild vor Augen, was damit gemeint ist, sondern auch eine Sehnsucht, dass es mehr solcher aufrechter Literat*innen geben sollte.

Denn wir Menschen befinden uns in einer noch nie dagewesenen Zeit der Veränderungen durch menschengemachte Erd-Krisen und wissen gleichzeitig um die kleine Zeitspanne, die uns bleibt, das Schlimmste zu verhindern. Ein Zustand, der für viele Menschen so intensiv ist, dass er kaum auszuhalten ist. Was tun, wo doch jetzt schnell gehandelt werden muss? Da kann die Sehnsucht nach dem großen starken Mann, der alles für uns regelt, schon bei dem einem oder anderen entstehen. Ganz anders jedoch die Antwort von Claudine Nierth darauf: auf uns alle kommt es jetzt an und in der Demokratie liegt die Lösung! Und Ihre mutmachenden Sätze sind wie klares Wasser nach einem langen trockenen Sommer. Sicherlich ähnlich dem Genuss der Flasche ehrlichen Landweins, die sie neben einer Urkunde heute noch überreicht bekommen!

Der Namensgeber unserer Stiftung, Heinrich Böll, ist mir ein ständiger Ratgeber und Inspirator und gehörte der gleichen Generation an wie Alfred Müller-Felsenburg, dem aufrechten Namensgeber für den heutigen Preis. Genau, wie bei Ihnen, liebe Claudine Nierth, gehörte für Heinrich Böll zusammen: Schriftsteller zu sein und sich politisch zu engagieren. Er beschrieb es so: „Obwohl als einzelner schreibend, ausgestattet nur mit einem Stoß Papier, einem Kasten gespitzter Bleistifte, einer Schreibmaschine, habe ich mich nie als einzelnen empfunden, sondern als Gebundenen.“

Und dieses Eingebundensein, sich als Teil des Ganzen sehend und eine unverrückbare Haltung und Liebe zu den Menschen, dies ist für mich der Kern von aufrechter Literatur.

Und dieses Eingebundensein in das Ganze und eine Hoffnung auf uns Menschen, die eine Kultur des Miteinanders in der Demokratie gestalten können, finde ich bei Ihnen so eindrücklich beschrieben, liebe Frau Nierth. Sie beschreiben es so anrührend zu Anfang in Ihrem Buch mit einer eindrucksvollen Schlüsselzene, als sie 1983 als damals 16jährige als Teil einer Menschenkette zwischen Ulm und Stuttgart gegen die Stationierung von atomaren Sprengköpfen der US-Amerikaner demonstrierten. Auch das erinnert uns an Heinrich Böll und seine Frau Annemarie, die z.B. am 1. September 1983 in Mutlangen ebenso gegen atomare Aufrüstung protestierten.

Damals wurde Ihnen, Frau Nierth, eindringlich bewusst: “Wenn ich loslasse, dann hat die Kette eine Lücke!“ Und sie haben nicht losgelassen und das Werben, das Einstehen und das Kämpfen für eine besser funktionierende Demokratie hat Sie seitdem nicht mehr losgelassen. Sie unterstützten bereits in den 1980er Jahren die Aktion Volksentscheid, die erste bundesweite Aktion für Direkte Demokratie, und seitdem engagieren Sie sich, liebe Frau Nierth, für die Einführung und Verbesserung von Volksentscheiden und deren Regelungen.

Sie haben einen Teufelskreis in unserer Demokratie erkannt: „Angesichts der drängenden Probleme erwarten die Menschen von ‚denen da oben‘, also den Politikern, dass sie endlich etwas ändern. Jedoch ist die Politik gar nicht so handlungsstark und Politikerinnen und Politiker sind viel ohnmächtiger, als wir glauben. Und am Ende sind wir Bürger*innen es, die die Macht haben“. Sie zeigen uns, wie wir dem Teufelskreis entkommen können.

Schon der Titel Ihres aktuellen Buchs „Die Demokratie braucht uns! Für eine Kultur des Miteinander“, das Sie zusammen mit Katharina Höftmann Ciobotaru 2021 veröffentlicht haben, strahlt Ihre aufrechte Haltung aus. Sie bekennen darin: „Das Wichtigste für mich und meine Arbeit ist aber immer noch die Überzeugung, dass Demokratie das Versprechen der größtmöglichen Zufriedenheit aller Menschen ist. … Demokratie kann Andersdenkende zusammenbringen, Extreme integrieren und vernünftige Lösungen und mehrheitsfähigen Konsens ermöglichen - und das ohne jemand auszuschließen.“ Hier schreibt eine leidenschaftliche Demokratin, die sich das weltweite Gemeinwohl nicht nur wünscht, sondern die Menschheit so einschätzt, dass sie es mit Hilfe von Demokratie auch erreichen kann. Was für ein Vertrauen in uns Menschen!

Ihr Buch ist geschrieben mit dieser bestimmten Haltung uns Menschen gegenüber. Wir Menschen werden als im Grunde gut und stark beschrieben und als Teil der Lösung. Beeindruckt war ich vor einiger Zeit von Ihrem Vortrag zu Ihrem Buch in der Volkshochschule Düsseldorf, wo ich Sie persönlich kennenlernen konnte. Und ich empfehle hier jeder und jedem, Claudine Nierth einmal bei einer Buchlesung live zu erleben. Ihre Ideen lässt sie mit vielen Beispielen und einer beeindruckenden Körpersprache lebendig werden und, ganz im Gegenteil zum üblichen Politikerbashing oder der Schelte des demokratiemüden Volkes, zeigt Claudine Nierth in liebvoller Genauigkeit in Bezug auf den Menschen auf, was strukturell an unserer Demokratie verändert werden muss, damit der Gegensatz „Ihr da oben“„wir hier unten“ aufgelöst werden kann. „Und zwar zuerst in uns selbst.“, schreiben Sie.

Und viel Humor beweisen Sie, wenn Sie die jeweiligen Spezifika und Eigentümlichkeiten der Parteitage der unterschiedlichen Parteien darstellen. Bei dieser Lektüre musste ich tatsächlich auch selber herzhaft lachen, weil ich vieles wiedererkannt habe. Doch Ihre Beschreibungen sind dabei nie verletzend oder ausschließend, sondern zeugen von Empathie und Sympathie für Politiker*innen, die sich für das Gemeinwohl in unserer Demokratie einsetzen. Claudine Nierth geht hin zu den Parteitagen, zu den Politikern und Politikerinnen der unterschiedlichen Parteien und zeigt auf, wo direkte Demokratie grundlegende Denkfehler verbessern kann, wo die Weisheit der Vielen bessere und zufriedenstellendere Ergebnisse für die Gesellschaft erzeugt, wo die kollektive Intelligenz mehr bringt als die Summe der einzelnen Beiträge. Ja, liebe Frau Nierth, natürlich stoßen Sie damit nicht immer auf Zustimmung, wenn das alt-vertraute in unserer repräsentativen Demokratie modernisiert werden soll. Mit Ihrer optimistisch kämpferischen Einstellung gehen Sie hin zu den Menschen, mit Ihrem Buch motivieren sie zur Einmischung. Sie beschreiben Ihre Motivation trefflich: „Wir Menschen haben die Welt zu dem gemacht, was sie heute ist, und wir alle haben Einfluss darauf, was sie morgen sein wird. Ich lasse mir von niemandem sagen, das wäre alles nicht möglich.“

Liebe Frau Nierth, ich weiß, sie werden weiterhin als wichtiges Bindeglied an der Menschkette festhalten, wie damals als 16jährige, denn Sie wissen, es kommt auf jede und jeden an. Sie zeigen uns mit Ihrem jahrzehntelangen aktiven Einmischen für das Gemeinwohl und die Demokratie, mit ihrer Arbeit als Autorin, dass aufrechte Literatur mit Haltung und Rückgrat zu tun hat und leben so eindrücklich vor, worüber sie schreiben.

Und gerade jetzt in unseren Zeiten der Verunsicherung und Krisen benötigen wir Ihre aufrechte Literatur, um uns Mut zu machen und um die Demokratie nicht nur zu stärken, sondern die Demokratie selbst in die nächste Entwicklungsstufe zu begleiten, wie sie es wortstark in ihrem Buch formulieren.

Obwohl Sie nie verhehlen, dass es anstrengend sein wird, die aktuellen Herausforderungen in einer lebendigen Demokratie mit der Unterstützung der Vielen zu meistern, schaffen Sie es in Ihrem Buch, die Demokratie als Blüte der Menschheit und das Einstehen dafür attraktiv und anziehend darzustellen. Herzlichen Dank auch dafür!

Wir freuen uns auf mehr Veröffentlichungen von Ihnen!

Liebe Claudia Nierth, Ich gratuliere, gemeinsam mit allen hier im Saal, herzlich zum Alfred Müller-Felsenburg Preis für aufrechte Literatur."

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