Julian Petri: „Nexthamburg: Bürgervisionen für eine neue Stadt”

Julian Petri: „Nexthamburg: Bürgervisionen für eine neue Stadt”, edition Körber-Stiftung, Hamburg 2012, 120 Seiten, 18 Euro.

Rezension von Jan Hantke 

Stadtentwicklung und Gentrifizierung sind Themengebiete, die derzeit immer größere Beachtung finden. Julian Petri, seines Zeichens Stadtplaner und unter anderem an der HafenCity Universität Hamburg tätig, setzt sich intensiv mit den Wünschen von Bürger/innen für die Zukunft der Stadt Hamburg auseinander. Sein Buch mit dem Titel „Nexthamburg: Bürgervisionen für eine neue Stadt” setzt die Bürger/innen in den Mittelpunkt der Planung. Es beschreibt ein vom Körber-Forum initiiertes und hauptsächlich vom Bund getragenes Projekt, das zwischen 2009 und 2011 die Bürger/innen der Hansestadt motivieren sollte, ein Zukunftskonzept für die Stadt zu erstellen.

Mittels Workshops, eines Online-Dialogs und ähnlicher Instrumente wollte man die Bürger/innen partizipieren lassen. Genauere Beschreibungen des Beteiligungsprozesses, welcher Ähnlichkeiten mit dem Lichtenberger Bürgerhaushalt aufweist, sucht man leider vergebens. So bleibt unklar, ob es möglich wäre, ein solches Projekt erneut zu finanzieren. Ziel des Projektes war es mehr, einen Prozess anzustoßen, als konkrete Forderungen an die Politik zu stellen. Demnach ist das Buch nicht als rückwirkende Betrachtung eines abgeschlossenen Prozesses zu verstehen, sondern vielmehr als ein erster Meilenstein.

Der Großteil des Buches beschäftigt sich mit Vorschlägen aus diversen Themengebieten wie Natur, Verkehr und Kultur, die in dem Projekt gesammelt wurden, stellt sie kurz vor und illustriert sie anschaulich. Dass der Autor kein Avantgardist direkter Demokratie ist, beweist der von ihm selbst eingereichte Vorschlag, 2030 jeden Volksentscheid mit einem Quorum von 33% zu versehen – was in Hamburg einer Verschlechterung der derzeitigen Verhältnisse gleichkommt. Warum er dies fordert, erklärt er nicht.

Schnell wirken die etwa 275 Ideen der Bürger/innen wie eine Ansammlung nicht umsetzbarer Vorschläge. Das etwas willkürlich wirkende Rating, das unter anderem die Machbarkeit beurteilt, hilft den Leser/innen bei der Beurteilung der vorgestellten Konzepte nicht weiter. Schade ist auch, dass zum Beispiel beim Themenblock Mobilität kein einziger Vorschlag in Bezug auf die Barrierefreiheit für Menschen mit Behinderungen gemacht wird. Diesen Mangel kann man dem Autor schwer vorwerfen, eine Reflexion der Ergebnisse hätte dem Buch jedoch gut getan. Statt einfach eine Masse an Ideen nebeneinander zu stellen und zu beschreiben, hätte man sich auf eine geringere Anzahl von Ideen fokussieren können. So wäre das Projekt besser nachvollziehbar gewesen, die vorgestellten Vorschläge hätten vielleicht höhere Realisierungschancen gehabt.

Neue Erkenntnisse sollte man beim Lesen daher nicht erwarten. Das Buch richtet sich demnach besonders an diejenigen, die an Stadtentwicklung interessiert sind, besonders an jener der Hansestadt Hamburg, und diejenigen, denen eine genauere Ausführung zu den politischen Prozessen nicht so wichtig ist.

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