Prof. (FH) Dr. Markus Pausch: "Demokratie als Revolte"

Prof. (FH) Dr. Markus Pausch: „Demokratie als Revolte. Zwischen Alltagsdiktatur und Globalisierung“, Nomos-Verlag Baden-Baden 2017, 184 Seiten, 29 Euro. ISBN: 978-3-8487-1918-1

Demokratie als Revolte

Albert Camus als Demokratietheoretiker: Ein Befürworter direkter Demokratie?

von Neelke Wagner

Albert Camus kennen viele als großen Schriftsteller und politischen Denker. Der Politikwissenschaftler Markus Pausch hat Camus‘ philosophische und politische Überlegungen zu einer Demokratietheo­rie zusammengefasst, die Pausch mit „Demokratie als Revolte“ bezeichnet. Das gleichnamige Buch teilt sich in drei Abschnitte: In den ersten beiden Kapiteln leitet Pausch die Idee einer „Demokratie als Revolte“ aus verschiedenen Schriften von Camus her und bettet sie zugleich in die politische Geschichte Europas und aktuelle Demokratietheorien ein. Im zweiten Teil stellt er Überlegungen an, inwieweit die „Demokratie als Revolte“ in Institutionen gegossen werden kann. Im dritten Teil geht er auf die Bereiche gesellschaftlichen Lebens ein, in denen die demokratische Revolte erst noch ankommen muss.

Freiheit und Widerspruch

Camus entwickelt in seinem Werk die Idee einer existenziellen Revolte, die mit der Geburt beginnt. Schon da zeige sich, dass Menschen einerseits nach Freiheit streben und andererseits Sicherheit und Geborgenheit brauchen. Dieses Menschenbild ist für die politische Theorie Camus‘ zentral, denn daraus leitet sich seine These ab, dass ein Mensch dann glücklich ist, wenn er oder sie um die Freiheit kämpfen kann. Pausch illu­striert dies mit der berühmten Metapher Camus‘, nach der wir uns „Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen“ müssen.

Die Demokratie ist für Camus kein starres System, sondern muss sich immer wieder verändern, weil sie ihr Ideal niemals erreichen kann. Darin bestehe die Sisyphos-Arbeit der Demokrat/innen, und in ihr sieht Pausch mit Camus ihren wesentlichen Unterschied zu einer Diktatur: Ein demokratisches System verkörpert nicht das einzig Wahre, das Gute im Gegensatz zum Bösen, sondern es lebt vom Aufbegehren gegen Unfreiheit und Ungerechtigkeit, vom Zweifel an vorgefertigten Glaubenssätzen und vom Aufbruch ins Unbekannte. Solche Revolten geben den Anstoß zur Veränderung und zur Verbesserung. Sie sind das eigentliche Wesen der Demokratie, die als einzige Staatsform die widersprüchlichen Bedürfnisse der Menschen berücksichtige. Der Schutz der Menschenrechte und eine rechtsstaatliche Verfassung sichern die Grundlage, auf der die Einzelnen sich frei entfalten können.

Direkte Demokratie als Instrument der Revolte

Wie lässt sich dieses Bild einer unabgeschlossenen, sich ständig weiter entwickelnden politischen Form auf einen Staat übertragen? Pausch schließt Camus hier an partizipatorische Demokratie-Modelle an, die die Teilhabe der Bürger/innen in den Mittelpunkt stellen. Die direkte Demokratie bedeute eine „Institutionalisierung des Widerspruchs“ und leiste damit einen wichtigen Beitrag zu einer Demokratie im Sinne Camus‘, in der die Menschen jederzeit Widerspruch anmelden und eigene Mehrheiten organisieren können. Gerade weil die Revolte der Einzelnen als Ausgangspunkt von Camus‘ Demokratietheorie gelten kann, sei die Möglichkeit, dass die Bürger/innen direkt und selbstbestimmt in die Politik eingreifen können, elementar. Dies gelte auch für die Lebensbereiche, die (noch) hierarchisch organisiert sind, etwa die Schulen und die Arbeitswelt. Hier haben schon viel­fältige Demokratie-Revolten stattgefunden – und müssen noch stattfinden, damit die Gesellschaft insgesamt demokratischer organisiert wird, lautet Pauschs Fazit.

Pauschs Buch bietet eine erfrischende und fachlich fundierte Analyse des politischen Denkens von Albert Camus und zugleich eine umfassende Bestandsaufnahme der Lebensbereiche, in denen eine Demokratie-Revolte dringend vonnöten ist. Ein lesenswertes Buch!

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