Nachruf: Paul Kittler

In großer Dankbarkeit erinnern wir von Mehr Demokratie an unser am 30. April 2016 verstorbenes Mitglied Paul Kittler - Ein Nachruf von Alexander Trennheuser (Bundesvorstand).

Am 30. April 2016 ist unser Mitglied Paul Kittler im Alter von 78 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung verstorben. Paul war seit 1996 aktives Mitglied von Mehr Demokratie. Der Schwerpunkt seiner Arbeit lag in Rheinland-Pfalz, wo er viele Jahre dem Landesvorstand angehörte. Erst im Herbst letzten Jahres hat sich Paul mit Hinweis auf sein fortgeschrittenes Alter aus diesem Amt zurückgezogen.

Kennengelernt habe ich Paul bei einer Sitzung in Frankfurt. Es muss so um 2008 gewesen sein. Der Raum war etwas zu düster gewählt, die Stimmung nicht immer gut – aber Paul stach heraus. Seine Positionen trug er bescheiden, aber beharrlich und bestimmt vor. Weder damals noch später habe ich je erlebt, dass Paul seine Person in den Vordergrund stellte und andere zur Seite drängte. Und er mochte es auch nicht, wenn andere dies taten. Wenn Paul einen Beitrag formulierte, dann ging es ihm nie um sich, sondern stets um die Sache, um das Argument - um die direkte Demokratie.

Wenn man, wie Paul es auszeichnete, beharrlich ist und keinen Aufwand scheut, dann geschehen manchmal kleine politische Wunder. Ohne viel Geld, ohne große Kampagne oder aufwändige Aktionen, nur mit Argumenten und einer Unterschriftenliste bewaffnet gelang Paul mit einer Handvoll Mitstreiter/innen ein solches Wunder. 2010 plante der rheinland-pfälzische Landtag eine Reform der Gemeindeordnung, jedoch ohne die dringend nötige Überarbeitung der Bürgerbegehren und Bürgerentscheide. Während einer kleinen Unterschriftensammlung auf der Landtagstreppe hatten Paul und seine Mitstreiter das Glück, einige maßgebliche Landespolitiker aus den Fraktionen zu treffen und zu überzeugen. Diese Gespräche waren Auslöser dafür, dass die Hürden für Bürgerbegehren in Rheinland-Pfalz damals ein großes Stück gesenkt wurden.

Paul und ich haben oft gesprochen, am Telefon, auf Jahrestagungen, bei Mitgliederversammlungen oder Sitzungen des Landesvorstands in Rheinland-Pfalz. Oft hat Paul sich gefreut über das, was Mehr Demokratie erreicht hat, neue Vorschläge gemacht und seine Hilfe angeboten. Manchmal, in unruhigen Zeiten, hat er mir anvertraut, dass er sich um Mehr Demokratie sorgt. In all den Jahren seiner Mitgliedschaft war unser Verein für Paul Kittler ein echtes Herzensanliegen.

Über die Ungerechtigkeit, dass in Mainz dreimal so viele Unterschriften nötig sind für ein Bürgerbegehren wie im benachbarten hessischen Wiesbaden, darüber konnte sich Paul ärgern. Aber Paul war niemand, der sich echauffierte. Mit stoischer Geduld schrieb er bis zum Ende seiner Vorstandsarbeit in Rheinland-Pfalz Briefe an Abgeordnete, führte Gespräch um Gespräch. Ende 2015 hat sich Paul Kittler aus der aktiven Vorstandsarbeit in Rheinland-Pfalz zurückgezogen. Kurz zuvor hat der Landtag beschlossen, das Quorum für Bürgerbegehren in Großstädten noch einmal zu halbieren. Die große Ungerechtigkeit zwischen Hessen und Rheinland-Pfalz, die Paul stets umgetrieben und die er immer wieder am Beispiel der Nachbarstädte Mainz und Wiesbaden erklärt hat, besteht nicht mehr.

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