Für viele Menschen sind die Bilder der arabischen Revolution allgegenwärtig. Tausende Menschen in Tunesien haben sich zu landesweiten Protesten zusammengefunden und den Sturz des Regimes gefordert. Ägyptische Jugendliche versammelten sich an zentralen Orten, wie dem Tahrir-Platz, um ihren Zorn zu bekunden und erzielten den Abgang/Rücktritt der Regierung. Proteste und Massenunruhen stehen seitdem in den meisten arabischen Staaten auf der Tagesordnung; leider zu oft begleitet von Gewalt.
Nun kommt es in Europa vermehrt zu politischen Demonstrationen. Im Mai haben spanische Jugendliche angefangen ihre Unzufriedenheit öffentlich zuzeigen. Demonstrationen und Kundgebungen prägen den spanischen Alltag. In zahlreichen Protestscamps werden Forderungen diskutiert. Massenproteste prägen den griechischen Alltag. Auch Frankreich und Portugal erleben Demonstrationen. Beinahe der gesamte Mittelmeerraum wird von politischen Protesten erschüttert. Der Wunsch nach einem Neuanfang, einer Wende steht dabei immer im Vordergrund.
Armin Steuernagel konnte sich selbst ein Bild von den Protesten machen. Er besuchte den Plaça de Catalunya in Barcelona, auf dem sich seit Mitte Mai ein Protestcamp befindet. Dieses Camp hat traurige Schlagzeilen erlangt, als am 27.Mai die spanische Polizei versucht hat, den Platz gewaltsam zu räumen. Die Demonstranten haben sich aber nicht einschüchtern lassen. „Man kann das Protestcamp mit einer großen, lebendigen Zeltstadt vergleichen. Tag und Nacht finden Aktivitäten statt. Einige Demonstranten haben ihr Matratzenlager sogar in die Bäume verlegt. Diese Methode erinnert an die Proteste rund um Stuttgart 21.“ erzählt Armin. Die Politikgegner sind buntgemischt, aber vereint durch eine dynamische Aufbruchsstimmung und Tatendrang. „Am Tag treffen sich verschiedene Kommissionen, die sich jeweils mit einem Fachgebiet beschäftigen. Themen sind zum Beispiel Recht, Medizin, Energie. In den Kommissionen werden über Probleme, Lösungsvorschläge und Forderungen diskutiert. Diese werden in abendlichen Versammlungen vorgestellt und abgestimmt. Hierbei ist es sehr wichtig, dass eine entschiedene Mehrheit den Forderungen zustimmt“. Das Camp ist gut organisiert. Experten unterstützen die Arbeit der Kommissionen. Junge, arbeitslose Anwälte teilen zum Beispiel ihr Fachwissen mit anderen Demonstranten um gemeinsam handfeste Lösungen zu entwickeln. Zudem trägt eine Presseabteilung die Forderungen an die Öffentlichkeit und Medien. Die Demonstranten distanzieren sich ausdrücklich von allen Politikern und Parteien; ein Zeichen ihrer Unzufriedenheit mit der politischen Klasse.
In diesen Tagen lösen sich die meisten Protestscamps auf. Jedoch wollen die Spanier die Demonstration weiterführen. „Ich schätze die Proteste als eine ernsthafte Bewegung ein. Die Demonstranten haben zahlreiche Gründe für ihre Unzufriedenheit und nun ist die Zeit für Veränderung gekommen“.
Auf unserem Netzauftritt werden wir in der nächsten Zeit Interviews mit Menschen veröffentlichen, die sich an den Protesten in Europa sowie im arabischen Raum beteiligt haben – um Ihnen unabhängige Informationen und Hintergründe über die Lage vor Ort zu geben.
