
Election Day
Am Tag der Präsidentschaftswahl besucht Alexander Trennheuser mehrere Wahllokale in Columbus und Detroit. Anders als in Deutschland ist dort das Vertrauen der Wähler in Wahlcomputer höher als in Papier-Wahlzettel.
by Alexander Trennheuser – NRW-Geschäftsführer von Mehr Demokratie
Dienstag, 6. November: Columbus / Detroit
Es ist Wahltag in Amerika! Da wird man selbst vom Kellner im Frühstücksraum mit einem „Good morning Sir, it`s election day!“ begrüßt. Zwar darf niemand aus unserer Reisegruppe in Ohio wählen (Chase kommt aus Arizona, Joe aus Kalifornien und Tony aus Oregon), dennoch machen wir uns auf Tour durch einige Wahllokale. Eine Sache fällt mir dort sofort auf. Während ich in Deutschland beim Betreten des Wahllokals manchmal das Gefühl habe, als würde ich einen Beichtstuhl betreten, sind hier die Wahllokale deutlich lebendiger. In einer Kirche werden im Vorraum Kaffee und Kuchen verkauft, vor vielen Wahllokalen stehen (bis zu einem Schild, das die Bannzone markiert) Schilder oder sogar Menschen mit Schildern und Handzetteln, die für ein „Ja“ oder „Nein“ bei verschiedenen Abstimmungen werben.
In einem Wahllokal lassen wir uns den Wahl- und Abstimmungsvorgang erklären. Da nicht nur Obama oder Romney, sondern auch eine ganze Reihe lokaler und landesweiter Abstimmungen anstehen, dauert der Wahlvorgang einige Zeit. Bei Fragen kann man sich die Bedienung des Wahlcomputers von Schülern der örtlichen Highschool erklären lassen. Ebenfalls möglich ist die Wahl auf einem Papier-Wahlzettel. Anders als in Deutschland ist das Vertrauen der Wähler in die Wahlcomputer aber höher als in Papier-Wahlzettel.
Hoch her geht es in einem anderen Wahllokal. Hier wohnen vor allen Dingen US-Bürger afro-amerikanischer Herkunft. Das Problem: Jeder Wähler muss sich vor der Wahl registrieren. Stimmen die Adresse oder der eingetragene Name (z.B. Bob statt Robert) nicht mit dem Ausweis überein, bekommt man nur einen „provisorischen“ Wahlzettel; die Wahlberechtigung wird dann hinterher noch einmal überprüft. Viele befürchten, dass in diesem Fall der Wahlzettel nicht gewertet wird. „Multiply this case with 1.000!“, ruft uns ein entrüsteter Black-Panther-Aktivist zu, als ein Wähler seine Stimme nicht abgeben darf, weil er bei der Registrierung angeblich die falsche Adresse angegeben hat. Egal, ob das nun stimmt oder nicht: Dass man sich als Bürger erst registrieren muss, um sein wichtigstes Bürgerrecht wahrzunehmen, halte ich im Internetzeitalter für eine völlig überholte Regelung!
Nachmittags machen wir uns auf den mehrstündigen Weg nach Detroit. Dort besuchen wir die Party der Demokratischen Partei von Michigan. Die Spannung ist riesig; sekündlich wird von den Fernsehanstalten jede noch so kleine Veränderung berichtet. Daniel und Ophelia besorgen sich kurzerhand die wichtigsten Wahlkampfutensilien und verwandeln sich so in waschechte Demokraten (s. Foto). Weil wir am nächsten Tag in der Frühe einen Termin in Lansing haben und noch eine Stunde Autofahrt vor uns liegt, müssen wir die Party leider schon verlassen, als es in den wichtigen Swing States noch keine Ergebnisse gibt. Um 23:30 Uhr im Hotel angekommen schalte ich deshalb als erstes den Fernseher ein. Jetzt ist die Wahl gelaufen! Obama hat das Rennen gemacht.





