Politik ohne Politiker: Plädoyer für die Bürgerherrschaft

Bild zur Veranstaltung Politik ohne Politiker: Plädoyer für die Bürgerherrschaft

In diesem Vortrag wird Hélène Landemore, Autorin des Buches "Politics without Politicians", darlegen, dass die zufällige Auswahl gewöhnlicher Bürgerinnen und Bürger – auch als „Bürgerlotterie“ bezeichnet - Wahlen ersetzen sollte, um die demokratischen Ideale von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit in parlamentarischen Versammlungen zu verwirklichen. Dieses demokratische Argument ergänzt die praktischen Vorteile des Losverfahrens, wenn es darum geht, politische Korruption einzudämmen und die Weisheit der Vielen besser zu nutzen.

Das demokratische Argument gibt es in verschiedenen Varianten. Eine Variante verbindet die Ideale der antiken athenischen Demokratie, in der die Auswahl durch das Los eine zentrale Rolle im politischen Leben spielte, mit einer Tocqueville’schen Perspektive auf Geschworenengerichte, die als „Formen der Volkssouveränität“ verstanden werden, in denen gewöhnliche Bürgerinnen und Bürger echte Autorität ausüben und dadurch Urteilsvermögen sowie ein gemeinsames Gefühl politischer Verantwortung entwickeln. 

Eine zweite Version konzentriert sich auf Gleichheit: Sie geht davon aus, dass das Losverfahren im Gegensatz zu Wahlen die Möglichkeit zu regieren gleichmäßiger auf die Bürgerschaft verteilt. Gleichheit wird somit nicht als symbolische Inklusion, sondern als institutionelles Merkmal der politischen Auswahl behandelt.

Eine dritte Version des demokratischen Arguments behauptet, dass Wahlsysteme eine gegensätzliche Identitätsbildung fördern, während das Losverfahren den Nullsummenwettbewerb verringert und übergreifendes Vertrauen, gegenseitige Anerkennung und sogar das, was Landemore als „bürgerschaftliche Liebe“ bezeichnet, unter Bürgerinnen und Bürgern fördert, die andernfalls politisch entfremdet bleiben könnten.

Der Vortrag schließt mit der Auseinandersetzung mit Einwänden hinsichtlich Rechenschaftspflicht, Kompetenz und Kontinuität und schlägt hybride institutionelle Entwürfe vor, die auf Auslosung basierende Gremien mit gewählten oder ernannten Mechanismen kombinieren, als pragmatischen Übergang von bestehenden demokratischen Regelungen.

Der Vortrag wird in Zusammenarbeit zwischen der Fakultät für Governance und Globale Angelegenheiten und der Rechtswissenschaftlichen Fakultät Leiden im Rahmen des neuen Forschungsnetzwerks „Trust in Polarised Times“ organisiert.

Es diskutieren:

  • Elise Rouméas (Groningen)
  • Wim Voermans (Leiden)
  • Matt Longo (Leiden)

Moderation: Andrei Poama (Leiden)

Anmeldung

Die Teilnahme an dieser Veranstaltung ist kostenlos, eine Anmeldung ist jedoch erforderlich

Ort

Spui Campus, Raum 3b.38
Spui 5
2511 BL Den Haag, Niederlande

22.06.2026
16.00 - 18.00 Uhr
Veranstaltername
Fakultät für Governance und Globale Angelegenheiten / Rechtswissenschaftlichen Fakultät Leiden
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