Bürgerrat empfiehlt „konsumfreie Orte für Kinder“

Vom 20. September bis 22. November 2025 lief in Lüneburg der zweite Bürgerrat der Hansestadt. Das von den 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmern zu bearbeitende Thema lautete: konsumfreie Orte für Kinder in der Innenstadt. Das Bürgergutachten der Losversammlung wurde am 12. Februar 2026 dem Stadtrat übergeben.
Besonders in der Sommerzeit sind einige Orte in der Lüneburger Innenstadt zwar belebt - aber, so lautet manche Kritik, mit einem „Konsumzwang“ belegt. Es sei dort nur Platz für Personen, die sich auch ein Eis oder einen Kaffee kauften. Vor allem für Kinder und Jugendliche und ihre Familien fehle es an öffentlichen, konsumfreien Aufenthaltsorten.
Fragestellungen
Welcher Platz in der Innenstadt eignet sich als öffentlicher, konsumfreier Ort? Welche Bedingungen müssen erfüllt sein? Wie könnte ein Platz aussehen, der für junge Menschen ist? Eignet sich der Schrangenplatz für die junge Zielgruppe? Das waren Fragen, mit denen sich der Bürgerrat beschäftigt hat.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben Vorschläge entwickelt, wie öffentliche Orte wie der Wandrahmpark, der Schrangenplatz und die Neue Sülze kinder- und jugendfreundlicher gestaltet werden können. Zusätzlich entstanden Ideen für Indoorspielorte sowie mobile Angebote, die spontanes Spielen und Bewegen in der Innenstadt ermöglichen. Rückmeldungen aus Kitas, Grundschulen und dem Jugendforum flossen direkt in die Ausarbeitungen ein.
Neun Empfehlungen
Der Bürgerrat empfiehlt
1. den Wandrahmpark in Kooperation mit dem Museum Lüneburg attraktiver zu gestalten.
2. vorhandene Räumlichkeiten zu nutzen, dort kostenfrei Spielangebote für Kinder und Jugendliche von 0 - 12 Jahren anzubieten und das vorhandene Angebot (z.B. Spielerei, mosaique etc.) finanziell zu unterstützen.
3. eine Aktionsfläche / Aufenthaltsort an der „Neuen Sülze“für die Jugendlichen ergänzend zum Jugendzentrum „Haus der Jugend“ im Vierortenhaus
4. die Einrichtung eines Spielplatzes am Schrangenplatz für Kinder bis ca. 10 Jahre
5. in der gesamten Innenstadt viele kleine Maßnahmen für niederschwellige Bewegungsmöglichkeiten für Kinder zu installieren.
6. die Einrichtung eines mobilen Bauwagens, als flexiblen konsumfreien Treffpunkt für alle Altersklassen an Plätzen in der Innenstadt.
7. die Bereitstellung von Spielekisten an mehreren Orten in der Innenstadt, die bei Bedarf ausgeliehen werden können.
8. ein selbstorganisiertes Jugendcafé einzurichten, in dem Jugendliche (von 12 - 17 Jahren) ihre Freizeit konsumfrei verbringen können, ohne dauerhaft unter Beaufsichtigung zu stehen.
9. die Einrichtung eines Jugend-Innovations- und Bildungshubs, in dem Jugendliche und junge Erwachsene konsumfrei ihre Interessen entdecken, Zukunftskompetenzen entwickeln und berufliche Orientierung erhalten – in enger Kooperation mit Wirtschaft, jungen Unternehmerinnen und Unternehmern, Leuphana, Schulen und lokalen Vereinen.
Die Empfehlungen des Bürgerrates sollen im Ausschuss für Bauen und Stadtentwicklung und im Ausschuss Soziales, Gesundheit, Gleichstellung und Ehrenamt vorgestellt und beraten werden. Die Fachausschüsse geben eine Empfehlung zum Umgang mit dem Bürgergutachten an den Rat der Hansestadt.
"Viele wertvolle Impulse"
Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch betonte: „Die Ergebnisse zeigen eindrucksvoll, wie konkret und konstruktiv sich Menschen in Lüneburg einbringen, wenn sie die Möglichkeit dazu bekommen. Die Gruppe hat viele wertvolle Impulse gegeben, für die wir sehr dankbar sind. Ich freue mich, dass die Empfehlungen bald in den Ratsgremien besprochen werden.“
„Neben den inhaltlichen Empfehlungen hat auch der Prozess selbst wichtige Hinweise geliefert“, erklärte Eva Kern, Koordinatorin des Bürgerrates. „Für uns in der Verwaltung sind die Rückmeldungen äußerst wertvoll. Wir sehen konkret, wo Informationen noch nicht ausreichend bekannt sind oder wo ein großes Interesse besteht. Diese Hinweise helfen uns, besser zu werden, und die Bürgerinnen und Bürger erfahren, wo sie Informationen finden.“
Umfrage des Jugendforums
In die Organisation und Durchführung der Sitzungen waren das Jugendforum, die Ergebnisse der Kinderkonferenzen und die Grundschulen einbezogen.
So hatte das Lüneburger Jugendforum mit Unterstützung der Stadtjugendpflege und in enger Abstimmung mit dem Bereich Grünplanung der Hansestadt eine Umfrage gestartet: Was ist Jugendlichen auf Spielplätzen und in Parks wichtig? Die Umfrage richtete sich an Jugendliche ab 12 Jahren. Gefragt wurde unter anderem nach Lieblingsorten in der Stadt oder der Uhrzeit, zu der man Parks und Spielplätze am häufigsten aufsucht.
Bürgerrat erhielt Umfrageergebnisse
Im Anschluss an die Befragung wurden die Ergebnisse ausgewertet, der Lüneburger Politik präsentiert und der Stadtverwaltung für die langfristige Planung zur Verfügung gestellt. Auch der Bürgerrat erhielt für seine Arbeit Einblick.
Das Jugendforum Lüneburg gibt es seit 2020. Es ist ein regelmäßig tagendes Gremium für Jugendliche im Alter von 12 bis 22 Jahren, das durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Bereich der Jugendpflege begleitet wird. Das Jugendforum setzt sich für Interessen von jungen Menschen in Lüneburg ein und berät Politik und Verwaltung zu Jugendthemen. Es verfügt über eigene Fördergelder für Jugendprojekte und besucht politische Sitzungen, um darüber auf dem eigenen Instagram-Kanal zu berichten.
Einführung von Bürgerräten 2024 beschlossen
Der Rat der Hansestadt Lüneburg hatte im September 2024 beschlossen, Bürgerräte als neues Instrument der Bürgerbeteiligung einzuführen. Laut Beschluss soll jährlich ein Bürgerrat mit 30 zufällig gelosten Bürgerinnen und Bürgern durchgeführt werden.
Für den zweiten Bürgerrat waren die Lüneburgerinnen und Lüneburger aufgerufen, im Februar und März 2025, Themenvorschläge einzureichen. Eine Beteiligung war sowohl online als auch per Post oder persönlich möglich. Insgesamt gingen 39 Vorschläge ein. Nach thematischer Bündelung lagen der Verwaltung 27 unterschiedliche Themen vor.
Diese Vorschläge wurden einer formellen und fachlichen Bewertung durch die Verwaltung unterzogen. Die Ergebnisse dieser Bewertung wurden der interfraktionellen Arbeitsgruppe Bürgerräte zur Verfügung gestellt, die sich im Mai 2025 mit den Vorschlägen befasste.
Zwei Themen zur Auswahl
Die Arbeitsgruppe hatte sich einstimmig dafür ausgesprochen, dem Rat zwei Themen zur Auswahl für den Bürgerrat 2025 vorzulegen:
a) Konsumfreie Orte für Kinder in der Innenstadt (mit Empfehlungen für den Schrangenplatz)
b) Maßnahmen gegen Einsamkeit
Der Stadtrat hatte sich im Juni 2025 für das erste Thema entschieden.
600 Ausgeloste eingeladen
Am 7. Juli hatte die Stadtverwaltung Einladungen zur Teilnahme am Bürgerrat an 600 zufällig ausgeloste Personen ab 16 Jahren verschickt. Aus den 53 positiven Rückmeldungen wurde eine Gruppe von 30 Menschen zusammengestellt. Diese entsprach nach den Kriterien Alter, Geschlecht, Bildung, Wohnort, Migrationshintergrund und Haushalte mit Kindern der Zusammensetzung der Lüneburger Bevölkerung. Die jüngste Teilnehmerin war 18, die älteste 86 Jahre alt.
Die Losversammlung tagte an fünf Wochenenden. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhielten pro Sitzung eine Aufwandsentschädigung von 35 Euro.