Bürger beraten EU bei Krisenvorsorge

Von März bis Mai 2026 haben 150 zufällig geloste Bürgerinnen und Bürger aus allen 27 EU-Mitgliedstaaten in einem Bürgerforum über das Thema Krisenvorsorge beraten. Sie waren von der Europäischen Kommission nach Brüssel eingeladen worden, um dort gemeinsam konkrete Empfehlungen zu den Folgemaßnahmen der Europäischen Strategie für eine Union der Krisenvorsorge auszuarbeiten.

Mit der Strategie soll die zivile Vorsorge und Bereitschaft der EU gegenüber künftigen Krisen gestärkt werden, sodass alle Akteure einsatzbereit und in der Lage sind, bei Bedarf rasch und schlagkräftig zu reagieren.

Krisenvorsorge - worum geht es?

Europa wird immer öfter von zunehmend heftigeren Katastrophen getroffen. Deshalb ist es wichtig, dass die EU und ihre Bürgerinnen und Bürger bereit sind, solche Ereignisse vorherzusehen, sich vorzubereiten, sich anzupassen und wirksam darauf zu reagieren.

Vorsorge heißt, Krisen vorherzusehen und praktische Schritte zu ergreifen, bevor es zu einer Katastrophe kommt. Das bedeutet, frühzeitig tätig zu werden, sich über mögliche Gefahren kundig zu machen und gemeinsam etwas zur Eindämmung der Folgen zu tun. 

"Vorsorge auf Ebene der Bevölkerung heißt, dass die Bürgerinnen und Bürger beim Aufbau krisenfester Gesellschaften eine Hauptrolle spielen. Sie müssen aktiv an der Krisenvorsorge und -reaktion beteiligt werden, und dieses Engagement muss alle Teile der Gesellschaft erfassen", heißt es auf der Internetseite des Bürgerforums.

20 Handlungsempfehlungen

Das Europäische Bürgerforum zum Thema Krisenvorsorge hat an drei Wochenenden zwischen dem 20. März und dem 24. Mai 2026 getagt d 20 Empfehlungen erarbeitet. Die Empfehlungen konzentrieren sich auf sechs Schlüsselbereiche:

  • Risiko- und Krisenkommunikation
  • Glaubwürdigkeit von Informationen
  • Inklusion
  • Selbstversorgung
  • Bürgerbeteiligung
  • Bildung

Dazu gehören Vorschläge zur Stärkung der Aufklärung über Katastrophenvorsorge, zur Verbesserung von Warnsystemen und einer auf individuelle Bedürfnisse zugeschnittenen Krisenkommunikation, zur Förderung des ehrenamtlichen Engagements, zur Stärkung der europäischen Selbstversorgung und Widerstandsfähigkeit, zur Bekämpfung von Fehlinformationen und Desinformation sowie zur Gewährleistung einer inklusiveren Unterstützung für finanziell benachteiligte Gruppen und Menschen mit Behinderungen.

Beispiele für konkrete Maßnahmen

Zu den Beispielen für konkrete Maßnahmen gehört die Empfehlung der Bürgerinnen und Bürger, dass die EU und ihre Mitgliedstaaten nationale Leitlinien zu den persönlichen Verantwortlichkeiten der Bürgerinnen und Bürger bei der Vorbereitung auf künftige Krisen erstellen. Die Leitlinien sollen durch Hausbesuche und die Verteilung von Broschüren zur 72-Stunden-Selbstversorgung bekannt gemacht werden. Dabei soll sichergestellt werden, dass Seniorinnen und Senioren und Menschen mit Behinderungen nicht vergessen werden.

Die Forumsmitglieder empfehlen die Einbeziehung lokaler Behörden, um sicherzustellen, dass die Botschaft vertrauenswürdig und zu jeweiligen Landeskultur passend ist. Die Bürger empfehlen außerdem die Einführung eines standardisierten und universellen Systems visueller und akustischer Symbole, um in Krisenzeiten überall in der EU wichtige Orte und Dienste leichter erkennen zu können.

Am 24. Mai 2026 haben die Mitglieder des Bürgerforums ihre Empfehlungen offiziell an den Generaldirektor für den europäischen Katastrophenschutz und humanitäre Hilfe, Maciej Popowski, überreicht. Die Bürgervorschläge werden nun in die Umsetzung der Strategie für eine Union der Krisenvorsorge einfließen.

Von Tür zu Tür

Im Dezember 2025 war die Sortition Foundation für die Gewinnung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Losversammlung unterwegs. In Zusammenarbeit mit lokalen Partnern in der gesamten EU klopften sie an Türen und sprechen Bürgerinnen und Bürger aus 150 zufällig ausgewählten Orten in allen EU-Ländern an. 

Aus dem ursprünglichen Pool interessierter Menschen wurde eine endgültige Gruppe von Bürgerrat-Mitgliedern nach dem Zufallsprinzip ausgewählt, die die Vielfalt der Bevölkerung der EU unter Berücksichtigung von Geschlecht, Bildung, Beruf und dem Spektrum zwischen ländlichen und städtischen Gebieten abbildet.

Online-Beteiligung

Die Krisenvorsorge auf Ebene der Bevölkerung verteilt sich auf mehrere Schultern: Behörden, Medien, Bildungseinrichtungen, Jugend- und zivilgesellschaftliche Organisation, Sozialpartner, Unternehmen, lokale Netze sowie Bürgerinnen und Bürger jeden Alters - sie alle spielen hierbei eine entscheidende Rolle.

Darum wollte die Europäische Kommission, dass sich so viele Europäerinnen und Europäer wie möglich dazu äußern, wie die EU dafür sorgen kann, dass ihre Maßnahmen und ihr Vorgehen alle einbeziehen, Wirkung zeigen und sich an den Bedürfnissen der Menschen ausrichten. Von Januar bis Mai 2026 lief deshalb eine Online-Beteiligung, bei der Interessierte ihre Standpunkte teilen und Fragen der Krisenvorsorge erörtern konnten.

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