Klima-Bürgerrat für Niedersachsen

Am 17. April 2026 hat in Niedersachsen ein Klimarat seine Arbeit aufgenommen. Die Mitglieder aus Wissenschaft und Verbänden aus den Bereichen aus Wirtschaft, Umwelt, Kommunen, Soziales und Landwirtschaft sollen die Landesregierung bei ihrer Klimaschutzpolitik beraten. Ein zufällig gelostes Bürgergremium wird die Arbeit des Klimarates begleiten.
Das niedersächsische Landeskabinett hatte am 6. Mai 2025 die aktualisierte niedersächsische Klimaschutzstrategie sowie das Konzept für einen niedersächsischen Klimarat und ein begleitendes Bürgergremium beschlossen.
Ziel: Klimaneutralität bis 2040
Die Notwendigkeit der Fortschreibung ergibt sich aus den Ende 2023 neu verankerten Zielen im Klimagesetz. Danach strebt Niedersachsen eine Minderung der Treibhausgasemissionen um 75 Prozent bis 2030 sowie um 90 Prozent bis 2035 an und will 2040 in der Gesamtbilanz klimaneutral sein.
Die Klimaschutzstrategie enthält 120 Einzelmaßnahmen nahezu aller Ressorts, die die Landesregierung in den kommenden Jahren weiter vorantreiben will. Beispiele sind der weitere Ausbau der erneuerbaren Energien, das Projekt Klimaschutz in der Sozialwirtschaft, die Finanzierung der Kommunalen Wärmeplanung oder die schrittweise Umstellung der Landesgebäude sowie der Mobilität auf Klimaneutralität.
Rekordzuwachs an erneuerbaren Energien
Seit 2022 wurden die energiebedingten Treibhausgasemissionen um 10,9 Prozent reduziert. Weitere Maßnahmen sind die Umstellung auf klimaneutralen Stahl bei der Salzgitter AG, Wärmepumpen im Bereich Gebäude und ein Zuwachs der Elektromobilität im Bereich Verkehr.
Niedersachsen hat 2024 einen Rekordzuwachs an Erneuerbaren Energien an Land und auf See erreicht – auch der vom Land gestärkte Moorschutz spielt in der Klimastrategie eine besondere Rolle. Zur Umsetzung der Klimastrategie des Landes hat Niedersachsen eine Milliarde Euro zusätzlich bereitgestellt. Beginnend mit dem Haushaltsjahr 2025 stehen für den Zweck Klimaschutz bis 2048 allein im niedersächsischen Umweltministerium jährlich 37 Millionen Euro zur Verfügung.
Klimarat berät Landesregierung
Mit dem neuen Klimarat wurde ein Gremium geschaffen, das die Landesregierung bei der Planung und Umsetzung von Maßnahmen zur Erreichung der Klimaschutzziele beraten soll. Der Klimarat setzt sich zusammen aus sechs Vertreterinnen und Vertretern der Wissenschaft und neun Delegierten aus Verbänden aus Wirtschaft, Umwelt, Kommunen, Soziales und Landwirtschaft.
Am 24. Februar 2026 hatte die Landesregierung die Mitglieder des neuen Klimarates berufen. Das Gremium besteht aus insgesamt 15 Mitgliedern. Prof. Dr. Anne Schierenbeck von der Hochschule Osnabrück wurde am 17. April 2026 zur Vorsitzenden gewählt.
Gelostes Bürgergremium
Neben fachlicher Expertise will die Landesregierung auch die Perspektive von Bürgerinnen und Bürgern mit in die Beratung einfließen lassen. 60 zufällig ausgeloste Menschen aus Niedersachsen sollen in einem eigenen Bürgergremium mitarbeiten.
Dabei sollen demographische Daten wie Geschlecht und Alter, Wohnumfeld und Einkommen in der Weise berücksichtigt werden, dass die regionale und gesellschaftliche Vielfalt im Land abgebildet wird. Das Mindestalter liegt bei 16 Jahren.
Fünf Sitzungen
Ist das Bürgergremium gebildet, sollen seine Mitglieder in insgesamt fünf Sitzungen zusammengekommen. An ausgewählten Wochenenden sollen Präsenzsitzungen in Hannover stattfinden, digitale Formate werden von Montag bis Freitag in den Nachmittags- und Abendstunden geplant.
In einem ersten Schritt soll die Losversammlung bestehende Maßnahmen der Klimaschutzstrategie bewerten, erste Impulse oder Fragen des neuen Klimarats bearbeiten und schließlich neue Maßnahmen vorschlagen. In einem zweiten Schritt bewertet das Bürgergremium zusätzliche Maßnahmenvorschläge des Klimarats, die durch diesen erst noch erarbeitet werden müssen.
"Klimaschutz gemeinsam mit den Menschen umsetzen"
Umwelt- und Klimaschutzminister Christian Meyer erklärte dazu: "Ich glaube es ist mehr als hilfreich, zufällig ausgewählte Bürgerinnen und Bürger bei der Umsetzung von Vorschlägen zum Klimaschutz zu beteiligen und deren Meinung einzuholen. Wir wollen Klimaschutz gemeinsam mit den Menschen umsetzen – und nicht über ihre Köpfe hinweg. Die Politik ist gut beraten, breit getragene Vorschläge von Klima- und Bürgerrat ernst zu nehmen und auch umzusetzen. Das könnte einen neuen, parteiübergreifenden Konsens im Bereich Klimaschutz ermöglichen."
Die Empfehlungen aus Wissenschaft und Verbänden werden mit den Empfehlungen der Bürgerinnen und Bürger einmal jährlich veröffentlicht und dem Landtag sowie der Landesregierung übergeben.
Klima-Bürgerräte auf Landesebene
Vor dem Klima-Bürgerrat in Niedersachsen hatte es auf Landesebene ähnliche Losversammlungen bereits im Saarland und in Schleswig-Holstein gegeben.