Klima und Ernährung global gesehen
Am 14. März 2026 hat ein weltweiter Bürgerrat zur Zukunft des globalen Ernährungssystems seine Arbeit beendet. 105 Menschen aus der ganzen Welt hatten über die Zukunft der Ernährung vor dem Hintergrund des Klimawandels beraten. Nach dem Anhören von Fachleuten und dem Abwägen von Vor- und Nachteile einigten sie sich auf 22 Handlungsempfehlungen.
Die Bürgervorschläge sollen politischen Entscheidungsträgerinnen und -trägern als Leitfaden für die Wichtigkeit politischer Maßnahmen dienen. Sie spiegeln wider, wie Menschen aus unterschiedlichen kulturellen Zusammenhängen und mit unterschiedlichen Lebenserfahrungen zusammen erarbeitet haben, was am wichtigsten ist, was sich fair anfühlt und was realistisch gesehen getan werden könnte.
Die vom Bürgerrat beantwortete Frage lautete: “Welche Änderungen sollten wir gegebenenfalls an der Art vornehmen, wie wir Lebensmittel anbauen, teilen und essen, damit jeder genug zu essen hat und gleichzeitig die Ursachen und Auswirkungen des Klimawandels bekämpft werden?”
Handlungsansätze
Vier Handlungsansätze beleuchten verschiedene Dimensionen des Wandels von Ernährungssystemen und benennen strategische Handlungsrichtungen, die sich im Rahmen des globalen Bürgerrates , in lokalen Versammlungen, breiteren Beteiligungsverfahren und der Begutachtung durch Fachleute immer wieder herauskristallisiert haben.
Ernährung, Klima und Landwirtschaft
Handlungsrichtung: Landwirtschaftliche Gemeinschaften in den Mittelpunkt des Wandels stellen
Die Transformation der Ernährungssysteme hat größere Erfolgsaussichten, wenn Landwirtinnen und Landwirte und ländliche Gemeinschaften aktiv an der Gestaltung des Wandels mitwirken und dabei durch gerechtere Bedingungen, stärkere lokale Wirtschaftssysteme und langfristige Investitionen in Widerstandsfähigkeit unterstützt werden.
Ernährung, Klima und Städte
Handlungsrichtung: Ernährung, Natur und Beteiligung in die Stadtentwicklung einbetten
Städte sind zunehmend wichtige Schauplätze für Klimaschutzmaßnahmen. Ernährungssysteme, Grünflächen und Bürgerbeteiligung sollten in die Planung, Verwaltung und Entwicklung von Städten eingebettet werden.
Ernährung, Klima und Identität
Handlungsrichtung: Ernährung als Kultur, Rechte und gemeinschaftliches Wissen anerkennen
Ernährungssysteme sind nicht nur wirtschaftliche Systeme. Der Schutz des Rechts auf Nahrung, die Stärkung des gemeinschaftlichen Wissens und die Förderung von Regierungsführung mit Bürgerbeteiligung können dazu beitragen, dass der Wandel in den lokalen Realitäten, Kulturen und gelebten Erfahrungen verwurzelt ist.
Ernährung, Klima und Gesundheit
Handlungsrichtung: Gesundheit, Ernährung und umweltpolitische Entscheidungsfindung miteinander verknüpfen
Gesündere und widerstandsfähigere Gesellschaften sind auf gesündere Ernährungssysteme angewiesen. Dies erfordert eine engere Verzahnung von Ernährungs-, Gesundheits- und Umweltpolitik sowie eine stärkere Beteiligung der Öffentlichkeit an Entscheidungen, die das Gemeinwohl betreffen.
Die „Deep Dives“ und die 22 Handlungsempfehlungen des globalen Bürgerrates wurden im Rahmen der Londoner Klimaaktionswoche im Juni 2026 Medien, Fachleuten, politischen Entscheidungsträgerinnen und -trägern und führenden Persönlichkeiten im Klimabereich vorgestellt.
Vielfältige Zusammensetzung
Im Gegensatz zu herkömmlichen internationalen politischen Verfahren, die von staatlichen Akteurinnen und Akteuren sowie Facheliten dominiert werden, hatte die “Global Civic Assembly” ihre Mitglieder per Zufallsauswahl gewonnen, um in Bezug auf Geschlecht, Alter, Bildung und andere wichtige Merkmale eine vielfältige Zusammensetzung herzustellen.
Im September 2025 fand die Auslosung der Orte statt, aus denen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Bürgerrates kommen sollten. Mit Hilfe eines Algorithmus wurden Punkte auf der Weltkarte ausgewählt, die nach der regionalen Bevölkerungsgröße gewichtet und so angepasst wurden, dass vom Klimawandel bedrohte Regionen leicht überrepräsentiert waren.
105 Mitglieder ausgelost
Von diesen Punkten aus haben lokale Partnerorganisationen bei der Suche nach möglichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer geholfen, Aus dieser Personengruppe heraus wurden Anfang Januar 2026 die 105 Mitglieder des Bürgerrates ausgelost. Diese wurden während des Bürgerrates von den lokalen Partnern unterstützt.
Die Mitglieder der Losversammlung haben vom 17. Januar bis zum 14. März 2026 in 14 dreistündigen Online-Sitzungen beraten. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben sich in zeitzonenbasierten Arbeitsgruppen getroffen, die professionell moderiert wurden.
Betrachtung von Zwickmühlen
Die Bürgerrat-Mitglieder haben wichtige Zwickmühlen im Zusammenhang von globaler Ernährung und Klimawandel betrachtet. Auf der Grundlage sorgfältiger Überlegungen zu den in der Losversammlung vermittelten Informationen und auf Basis des Austauschs darüber untereinander haben sie Handlungsempfehlungen zum Thema entwickelt.
Der globale Bürgerrat ist Teil eines umfassenderen Ökosystems, zu dem auch selbstorganisierte Gemeindeversammlungen gehörten, die ein breiteres politisches Engagement auf lokaler Ebene ermöglicht haben.
Verbindung von zwei Formaten
„Die Kombination beider Formate macht den globalen Bürgerrat so besonders: Das eine Format erstellt aus vielen lokalen Bildern ein globales Bild, während das andere die globalen Probleme direkt mit einer Momentaufnahme der Weltbevölkerung angeht“ heißt es auf der Internetseite des Bürgerrates..
Die Empfehlungen des Bürgerrates und die Ergebnisse der lokalen Versammlungen sollen „ein klares Signal an Menschen und Institutionen auf allen Ebenen senden, die Entscheidungen und Maßnahmen zu treffen, die notwendig sind, um einen gesunden Planeten zu erhalten und alle Menschen, die auf ihm leben, zu ernähren“.
Bündnis für globale Bürgerbeteiligung
Der globale Bürgerrat zu Klimawandel und Ernährung wurde von der Coalition für a Global Citizens' Assembly (Koalition für einen globalen Bürgerrat) organisiert. Die Koalition ist ein vielfältiges Bündnis aus Regierungen, Organisationen und Akteurinnen und Akteuren der Zivilgesellschaft, das sich dafür einsetzt, den Bürgerinnen und Bürgern eine dauerhafte Stimme in globalen Entscheidungsverfahren zu geben.
Der Bürgerrat hat auf dem Schwung früherer globaler Bürgerräte aufgebaut, darunter Pilotprojekte zu Klimakonferenzen und die breitere Bewegung für ein dauerhaftes globales bürgerschaftliches Engagement. 2021 hatte bereits ein erster globaler Klima-Bürgerrat stattgefunden.
Wichtige Neuerung in der Weltordnungspolitik
Befürworterinnen und Befürworter sehen in solchen Losversammlungen eine wichtige Neuerung in der Weltordnungspolitik, die die Beteiligung über die traditionellen diplomatischen Kreise hinaus ausweitet und einen integrativeren Ansatz zur Lösung gemeinsamer Krisen wie dem Klimawandel schafft.