Bürgerrat „Ernährung“: Teilnehmer frustriert
Vor zwei Jahren legte der Bürgerrat „Ernährung im Wandel“ sein Bürgergutachten vor. Doch von den neun Empfehlungen an die Politik wurde bisher keine umgesetzt
Er war der erste vom Bundestag offiziell eingesetzte Bürgerrat: Der Bürgerrat „Ernährung im Wandel“. Sein Auftrag: Er möge Empfehlungen für ein nachhaltiges, gerechtes und zukunftsfähiges Ernährungssystem erarbeiten. Und das taten die 160 zufällig ausgelosten Bürgerinnen und Bürger auch: Sie berieten und wurden beraten, sie diskutierten, sie einigten sich.
Am 20. Februar 2024 legten sie ihr Bürgergutachten vor, mit neun zentralen Forderungen auf 56 Seiten. Diese drehten sich um Themen wie Verbraucherschutz, Tierwohl und eine soziale, gesunde, leckere Gemeinschaftsverpflegung. So forderte der Bürgerrat ein kostenloses Mittagessen für alle Schul- und Kindergartenkinder.
„Im Bürgerrat ‚Ernährung im Wandel‘ wurde Demokratie gelebt, in einem Klima von Offenheit, Neugier und Mut zum sachlichen Austausch“
Auch eine wissenschaftliche Studie bescheinigte dem Bürgerrat, dass er sich im großen Praxistest bewährt hatte. Der Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft legte vor einem Jahr einen Sachstandsbericht vor.
Dann krachte die Ampel-Koalition. Neuwahlen. Neuer Bundestag. Neue Mehrheit. Neue Regierung. Kurzum, bisher ist keine Forderung des Bürgerrats umgesetzt worden. Und das wurmt einige der ehemaligen Teilnehmerinnen und Teilnehmer.
Den ehemaligen Teilnehmerinnen und Teilnehmern ist klar, dass nicht alle ihre Forderungen eins zu eins umgesetzt werden. Doch mit so wenig Resonanz haben sie auch nicht gerechnet. In einer Pressemitteilung von dieser Woche appellieren mehrere ehemalige Bürgerrats-Mitglieder, der Bundestag möge die Empfehlungen erneut aufgreifen und prüfen, um dann erste Schritte in Richtung Umsetzung einzuleiten.