Hamburg: "Fünf Prozent! Fünf Prozent!"- Besuch auf der Verdi-Demo

In dieser Ausgabe des Sammlertagebuches macht Alex Slonka aus NRW Bekanntschaft mit Anhängern des FC Verdi; diese machen viel Krach, sind aber aber auch für andere Ideen offen.

Der Himmel ist blau (ja, wirklich!). Die Sonne scheint. Ruhig liegt der Mittelweg in Hamburg Dammtor. Einige Wildgänse stolzieren über den Rasen. Der einzige, der Hektik verbreitet, bin ich. Auf der Suche nach einer verdi-Kundgebung hetze ich Richtung Uni.

 

Plötzlich rucken die Gänseköpfe herum. Aus der Ferne erschallen Trillerpfeifen; die Gänse vermuten Gefahr. Ich nicht. Trillerpfeifen sind eines der Anzeichen für einen nahenden Gewerkschaftsumzug, der im nächsten Moment auch um die Ecke biegt. Gemeinsam mit den für mehr Lohn protestierenden Gewerkschaftlern mache ich mich auf in Richtung Gänsemarkt. Auf dem Weg dorthin sammle ich die ersten Unterschriften von den sehr dankbaren verdi-Aktivisten. Schließlich sitzen viele von ihnen den ganzen Tag im Büro; abends sind nicht mehr so viele Unterschriftensammler unterwegs. Dann ergibt sich nur mit Glück eine Chance, unser Volksbegehren zu unterschreiben.

 

Mittlerweile ist der Umzug auf dem Gänsemarkt angekommen. Ich treffe einige weitere Unterschriften-Sammler. Wir drängen uns durch die ca. 1.000 Menschen, die den Reden vom Podium lauschen. Bei diesem Lärmpegel kann man nicht viel erklären; vor allen Dingen wenn die Trillerpfeifen anschwellen oder "8-%"-Sprechchöre erschallen ist es so laut wie in der Fankurve eines Fußballstadions (es sei denn, es ist die Fankurve des FC Bayern). Gott sei Dank muss man den Wenigsten noch irgendwas erklären. Meist reicht ein kurzes Tippen auf mein umgehängtes Plakat. Mein Gegenüber nickt dann und lässt sich die Kladde reichen oder formt mit dem Mund ein "Hab schon" oder "Bin nicht aus Hamburg". Ablehnende Reaktionen sind selten.

 

Als die Kundgebung endet, werfen wir uns nochmal in die vom Platz strebende Menge. Mit einem Lächeln auf dem Lippen rufen wir den verdi-Aktivisten den Mehr Demokratie- Schlachtruf entgegen: "Fünf Prozent! Fünf Prozent!" Den fragenden Blicken halten wir unsere Kladden entgegen: "Volksbegehren! Wir brauchen fünf Prozent der Hamburger für ein besseres Wahlrecht!". Lachend lassen sich viele die Kladden reichen. In bester Laune verlasse ich den Gänsemarkt. Selbst der einsetzende Regen kann meine Laune für den Rest des Tages nicht mehr trüben.

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