Hamburg: Sammeln im Schnee

Der Erfolg eines Unterschriftensammlers ist von allem Möglichen abhängig. Dazu gehört erstens das Wetter. Nicht schwer nachvollziehbar also, dass dieser Anblick nicht nur romantische Gefühle weckt. Davon berichtet Nico Nissen in seinem Sammlertagebuch.

 

Eine weitere Einflussgröße ist der Ort der Sammlung. Einkaufszonen, könnte man denken, sind nicht gerade ein geeignetes Pflaster für politische Arbeit. Hier verzückt vielleicht eher das neu erworbene Handy als das neu erworbene politische Recht. Nicht so in Altona.

In den Einkaufszonen um den Bahnhof drücken die Menschen uns Listen mit Unterschriften von Lebenspartner, Nachbarn, Kollegen, Chef, Kindern, Freunden und Mitschülern sowie etwas zu essen in die Hand, strecken uns den Daumen entgegen und führen lange Gespräche - und vergessen darüber gelegentlich, selbst zu unterschreiben. Hier bildet sich auch schnell ein spontaner Freundeskreis von einander fremden Menschen, um politische Diskussionen zu führen. Manche bedanken sich persönlich bei uns. Zu recht - was viele Hamburger offenbar nicht wissen ist, dass einige von uns aus anderen Bundesländern kommen und gar nicht in Hamburg wahlberechtigt sind. Wir frieren also für ihre Rechte, nicht für unsere. Doch dieses Opfer bringen wir gerne. Denn ein Fortschritt bei den politischen Mitspracherechten ist in Hamburg vergleichsweise einfach zu erreichen - es genügt die Unterschrift.

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