Sammeln in Hamburg: Eisig aber gut

Sonntags in Övelgönne am Elbstrand, der Wind bläßt mehr als eisig, schneidet richtig in die Backen und Fingerspitzen, vereinzelt fliegen Schneeflocken durch die Luft, Sonne gibt es keine. Mir ist trotzdem warm. Die Wärme kommt nicht vom Wetter, sondern von den Hamburgern selbst.

Denn ich, wie ich da frostig-versteift den Strand langlaufe, treffe auf lachende Gesichter: "Hallo, haben Sie schon das Volksbegehren für ein faires Wahlrecht unterschrieben?", "Ne, aber mach ich jetzt!".

Unglaublich, in Wind und Wetter, unter verhangenem Himmel und bei minus-ich-weiß-nicht-wie-viel-Grad stehen Sie bei mir Schlange um zu unterschreiben, fragen nach Listen, um bei Freunden und Nachbarn zu sammeln und gehen selbst an die Überzeugung ihrer unwillig danebenstehenden Mitspaziergänger.

 

Wie kommts? War ich so mitleiderregend durchgefroren, dass man die rettende Unterschrift nicht verweigern will? Oder so lustig, wie ich zickzack mit wehenden Listen über vereiste Placken auf die einzelnen Spaziergänger zugeschlittert bin? Oder liegt es einfach daran, dass die Leute Sonntagnachmittags Zeit haben, sich auf Mehr Demokratie und ein faires Wahlrecht einzulassen? Ich glaube Letzteres.

 

Viele wussten auch schon Bescheid, kamen von selbst zum Unterschreiben und waren einfach offen und freundlich, und eben nicht gehetzt auf dem Weg zur Arbeit, zum Einkaufen oder in den Feierabend. Eine schöne Erfahrung, die mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird: am Eis-Strand in Hamburg ein wärmendes Gefühl von Gemeinsamkeit.

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