Erinnern Sie sich noch jemand an die vor einigen Jahren laufende Vorabendserie "Zwei Münchener in Hamburg"? Zwei Menschen aus München, gespielt von Elmar Wepper und Uschi Glas, werden nach Hamburg verpflanzt, lernen dort die hanseatische Lebensart kennen und lieben und wollen am Ende eigentlich gar nicht mehr nach Hause. Heute fühle ich mich ein bisschen wie einer von diesen beiden. Gemeinsam mit Fabian Hanneforth (wer von uns beiden Elmar Wepper und wer Uschi Glas ist, überlasse ich der Fantasie der Leser) mache ich mich auf den Weg in den Hamburger Stadtteil Harburg .
In der Fußgängerzone von Harburg angekommen dauert es etwa zehn Minuten, bis ich die erste Unterschrift einsammeln kann. Fast bin ich schon enttäuscht, wie schwer die Sammlung in diesem Stadtteil fällt. Aber dann geht`s richtig los. Binnen zweieinhalb Stunden haben Fabian und ich jeweils fast 50 Unterschriften gesammelt. Manchmal haben wir nicht genug Kladden dabei und die Harburger stehen Schlange. Erschöpft vom vielen Reden lassen wir uns in einer Bäckerei nieder, um einen Kaffee zu trinken. Aber auch da werden wir, weil wir unsere Umhängeschilder nicht ausgezogen haben, direkt wieder angesprochen. Gegen 14 Uhr machen wir die nächste Pause im vorzüglichen Restaurant "Oktober". Auch hier sammeln wir weitere Unterschriften vom Personal. Der Weg zurück zur Fußgängerzone: neue Unterschriften. Eine Frau, die schon drei Listen für Freunde und Bekannte mitgenommen hatte, kommt zurück und läßt sich von mir weitere vier Listen geben. Fabian will sich eine kurze Sammelpause bei einem Gespräch auf spanisch mit einer chilenischen Passantin gönnen und kommt kaum dazu, weil er ständig seine Kladden herumreichen muss. Ich unterhalte mich mit einer älteren Dame, die mir in brillanter Klarheit erläutert, warum sie ein personalisierteres Wahlrecht für besser hält, um dann zu unterschreiben. Ihr Jahrgang: 1923. Mein erstauntes "Ich hätte sie deutlich jünger geschätzt" kontert sie mit "Tja, 1923 waren sie ja wohl noch lange nicht in Planung...".
In der S-Bahn zählen Fabian und ich unsere Unterschriften. Über 180 sind beisammen gekommen. Wir haben keinen einzigen Flyer mehr; Fabian schläft ein und ich bleibe nur mit Mühe bis zu unserer Haltestelle wach. Auf dem Bahnsteig spricht uns direkt wieder jemand wegen einer Unterschrift an. Kaputt, aber sehr glücklich erreichen wir unsere Unterkunft im "Instant Sleep". Was für eine tolle Stadt! Und was für nette und engagierte Menschen hier in Hamburg! Eigentlich sollte heute mein letzter Tag beim Hamburger Volksbegehren sein. Aber ich kann mich noch nicht trennen. Spontan beschließe ich, in der kommenden Woche noch einmal für zwei Tage nach Hamburg zurückzukehren.
