Klangvolle Berichte über die Demonstrationen in Spanien

Rafael Eduardo Wefers Verástegui – das ist der Name des Mannes, der als erster in deutscher Sprache über die jüngste Protestwelle in Spanien berichtet hat. In diesen Protesten wird auch ein Ausbau der Demokratie gefordert.

 

Hintergrund

Seit dem 15. Mai gibt es in Spanien eine landesweite Protestwelle. Gestartet wurde sie über Aufrufe im Internet. Zunächst campierte eine kleine Gruppe auf einem zentralen Platz in Madrid. Nachdem dieser von der Polizei in einer nächtlichen Aktion geräumt wurde, weiteten sich die Proteste über das ganze Land aus. Mittlerweile werden aus über 70 Städten Aktionen gemeldet.

In Spanien ist das Sozialsystem schlecht ausgebaut. Allein die Statistik zählt 20 Prozent Arbeitslosigkeit, die Jugendarbeitslosigkeit wird gar mit 40 Prozent angegeben. Wer keine Arbeit hat, bekommt lediglich 6 Monate 300 Euro Unterstützung und ist danach auf sich allein gestellt.

Ein Fall von Bürgerjournalismus

Anfangs berichteten die Medien hierzulande kaum etwas: Das ärgerte einen mittlerweile in Spanien lebenden Mann, der in Deutschland aufgewachsen ist. Ihm verdanken wir viele Berichte über die Lage vor Ort. Er verbreitet Sie über den Kurznachrichtendient Twitter; zudem schreibt er regelmäßig auf seiner Homepage und es gibt einige Interviews, die sich jeder einfach am PC anhören kann.

Worum geht es den Demonstranten?

Es handelt sich um eine bunte Bewegung, die viele Facetten und keine einheitliche Führung hat. Allerdings gibt es einen Netzauftritt der Kampagnen mit Namen „Wahre Demokratie“ (¡Democracia Real YA!). Der Blog „Spreeblick“ hat deren Manifest übersetzt. Es macht deutlich, dass es um wirtschaftliche Teilhabe und demokratische Fragen geht:

„Das Recht auf Behausung, Arbeit, Kultur, Gesundheit, Bildung, politische Teilhabe, freie persönliche Entwicklung und Verbraucherrechte im Sinne einer gesunden und glücklichen Existenz sind unverzichtbare Wahrheiten, die unsere Gesellschaft zu befolgen hat. (…)

Die Demokratie gehört den Menschen (demos = Menschen, krátos = Regierung), wobei die Regierung aus jedem Einzelnen von uns besteht. Dennoch hört uns in Spanien der Großteil der Politiker überhaupt nicht zu. Politiker sollten unsere Stimmen in die Institutionen bringen, die politische Teilhabe von Bürgern mit Hilfe direkter Kommunikationskanäle erleichtern, um der gesamten Gesellschaft den größten Nutzen zu erbringen, sie sollten sich nicht auf unsere Kosten bereichern und deswegen vorankommen, sie sollten sich nicht nur um die Herrschaft der Wirtschaftsgroßmächte kümmern und diese durch ein Zweiparteiensystem erhalten, welches vom unerschütterlichen Akronym PP & PSOE angeführt wird. (…) [Anmerkung der Redaktion: Es handelt sich um die Abkürzung der Konservativen (PP) und Sozialdemokraten (PSOE), der beiden großen Parteien.]

Wir brauchen eine ethische Revolution. Anstatt das Geld über Menschen zu stellen, sollten wir es wieder in unsere Dienste stellen. Wir sind Menschen, keine Produkte. Ich bin kein Produkt dessen, was ich kaufe, weshalb ich es kaufe oder von wem.“

Auch in den Interviews, die Rafael Wefers Verástegui gegeben hat, benennt er demokratische Missstände. So seien auf den Listen zur Kommunalwahl 123 Kandidatinnen und Kandidaten zu finden gewesen, denen begründet Korruption nachgesagt werde. Es fehlte eine Möglichkeit, deren Wahl zu verhindern. Das liegt auch daran, dass sich in Spanien ein Zweiparteiensystem etabliert hat. Dabei wird die Konservative Partei immer noch mit den Machenschaften der Franco-Diktatur in Zusammenhang gebracht. Von diesem politischen System sehen sich die Demonstranten nicht mehr vertreten. Zunächst spitzen sich die Proteste auf den Tag der Kommunalwahl am 22. Mai zu. Über eine Million Menschen haben ungültig gewählt - viele davon werden entsprechende Aufrufe im Internet befolgt haben.

Nun gehen die Proteste in die nächste Runde.

<typohead type=4>Ronald Pabst, 24. Mai 2010</typohead>

 

Informationen im Netz

rafaelwv.com: Netzauftritt von Rafael Eduardo Wefers Verástegui

Interview 1: Rafael Eduardo Wefers Verástegui im O-Ton

Interview 2: veröffentlicht von der Piratenpartei

Twitter 1: Kanal von Rafael Eduardo Wefers Verástegui

Twitter 2: #spanishrevolution aktuelle Infos von der Netzgemeinde

Spreeblick.com: Hintergrundinfos und Übersetzung des Manifests

Flickr: Fotos

Der Standard: Eine Million ungültige Stimmen

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