Abgeordnetenwatch NRW – Bericht vom Start
Am 24.02.10 wurde im Landtag in Düsseldorf das Internetportal „Abgeordnetenwatch“ für den NRW-Landtag vorgestellt. Anna Weidinger berichtet – sie hat gerade ein Praktikum im Kölner Büro angefangen.
Gleich bei meinem ersten Einsatz außerhalb des Büros habe ich viele Einblicke in die Welt der Medien bekommen. Von Abgeordnetenwatch hatte ich schon gehört, aber was genau dahinter steckt, wurde mir nun erst deutlich. Die Seite gibt den Bürger die Möglichkeit, Abgeordnete und Kandidaten zu befragen. Die Antworten sind anschließend auf der Homepage für alle zugänglich. Ebenso können die Besucher der Seite die Arbeit von Politikern bewerten.
In NRW wurde die Seite bereits im vergangenen Jahr für die Bürgermeisterwahl freigeschaltet, mit sehr guter Resonanz. Für die Landtagswahl wurden 10.000 Euro zur Fertigstellung der Seite benötigt; nachdem diese Summe erreicht wurde, kann die Seite nun pünktlich zum Wahlkampf starten.
Die Internetseite und das Zusammenspiel mit „Mehr Demokratie e.V.“ wurden von Gregor Hackmack, Mitbegründer von Abgeordnetenwatch, und Alexander Slonka, Landesgeschäftsführer von Mehr Demokratie e.V. in NRW, dargestellt. Die Schirmherrschaft hat Landtagspräsidentin Regina van Dinther übernommen, die sich auf der Pressekonferenz von ihrem Vize Edgar Moron vertreten ließ. Van Dinther und Moron: Diese Namen erregten natürlich großes Interesse bei den Journalisten, die wohl auch deswegen sehr zahlreich anwesend waren.
Nun war es Zeit für die Fragen der Medienvertreter. Leider rückte hier die Webseite in den Hintergrund. Die aktuelle Skandaldebatte um die Nebeneinkünfte von van Dinther und Moron schien interessanter. Beiden wird unterstellt, eine unangemessene hohe Summe Geld für Beiratssitzungen bekommen zu haben.
„Weil Transparenz Vertrauen schafft“ lautet der Slogan von Abgeordnetenwatch. Wie weit lässt sich das auf die Politiker und ihre Nebeneinkünfte übertragen? Herr Moron wartete nur auf solche Fragen und hatte sich seine Antworten zuvor schon zurechtgelegt. Er wäre für das skandinavische oder amerikanische Modell, bei dem alle Steuererklärungen online stehen – auch die von Politikern. Dies solle auch bei uns eingeführt werden, auch im Bundestag, antwortete er.
Dadurch entstand ein reges Interesse an der Finanzierung von Abgeordnetenwatch. Herr Hackmack ist Preisträger der Stiftung „Ashoka“- dieser indische Name sorgte bei manch einem Journalisten für Verwirrung. Diese große internationale Organisation fördert und unterstützt soziale Projekte weltweit in ihrer Gründungsphase. Des weiteren tragen private Spenden und Werbeanzeigen die Plattform.
All die Journalisten waren äußerst kritisch und hakten bei jeder Kleinigkeit aufs genauste nach, immer den Wunsch nach Aufdeckung eines Skandals und der damit verbundenen Riesenstory.
Meine erste Landespressekonferenz war äußerst interessant und aufschlussreich für mich. Der Aufwand für eine Webseite wie abgeordnetenwatch.de ist enorm, als Nutzer hätte ich das nie erwartet. 15 Moderatoren arbeiten daran, dass der strenge Kodex eingehalten wird. Die Auflistung aller Wahlkreise und der dazugehörigen Abgeordneten dauert extrem lange. Doch zahlt sich die Arbeit aus, Abgeordnetenwatch ist das größte politische Dialogportal Deutschlands, mit bisher 4 Millionen Seitenaufrufen und ich überlege schon, welche Frage ich meinem Abgeordneten stellen werde.
<typohead type=4>Anna Weidinger</typohead>