Claudine Nierth in "Zwischen Himmel und Erde"

Unsere Vorstandsprecherin tritt bei dem Film „Zwischen Himmel und Erde“ auf. Sie hat es sogar auf das Filmplakat geschafft. Anlässlich der Deutschlandpremiere des Films hat Anna Weidinger ein Interview mit ihr geführt.

Welche Schritte müssen gegangen werden, um den bundesweiten Volksentscheid im Grundgesetz zu verankern? Wie lang wird dies noch dauern oder wird es immer ein Wunsch bleiben?

Eins ist klar, es wird nicht auf ewig ein Wunsch bleiben, denn dieser Wunsch hat ja schon begonnen, sich zu verwirklichen. Die größere Wegstrecke liegt schon hinter uns, wir sind dem bundesweiten Volksentscheid noch nie so nahe gewesen wie jetzt. Ganz nüchtern betrachtet brauchen wir allerdings eine Zweidrittelmehrheit im Bundestag, die einer Verfassungsänderung zustimmt. Gesellschaftlich brauchen wir Bürger den klaren Willen und den großen Paukenschlag mit der Forderung: Wir wollen jetzt die Volksabstimmung haben.

 

Welche negativen Aspekte für die Mitgestaltung des Bürgers an der Politik gibt es in Deutschland?

Der Bürger hat bisher nur die Möglichkeit, als Bittsteller aufzutreten. Wir haben ein nur ein Petitionsrecht. Darüber hinaus haben wir natürlich die Möglichkeit, alle vier Jahre ein Kreuz für eine Partei zu machen. Damit stellen wir einen Blankoscheck an das Parlament aus; es kann dann entscheiden, was es möchte und dabei behaupten, es folge unserem Willen.

Dies kann man aber erst dann behaupten, wenn einzelne Sachfragen zur Abstimmung gestellt werden können. Also: Die Rechte müssen ausgebaut werden.

 

Was wäre die ideale Staatsform und welcher Staat kommt Ihrem Ideal am nächsten?

Für Deutschland würde ich auf jeden Fall sagen, dass die Demokratie auf zwei Beinen stehen soll, wie es auch im Artikel 20. des Grundgesetzes verankert ist.

Das Erste ist das parlamentarische Bein. Ich wähle meinen Volksvertreter, denn ich möchte nicht über alles entscheiden. Über wichtige Fragen möchte ich aber entscheiden können, dies mache ich durch das zweite Standbein, der direkten Demokratie. Das ist für mich eine sehr schöne Form, um die Politik zu gestalten.

Die Schweiz hat eine relativ gut ausgebaute Demokratie, aber selbst dort ist nicht alles so, dass ich sie als ein Ideal hinstellen möchte. Zudem darf man dies nicht alles eins zu eins auf Deutschland übertragen, das gilt genauso für Kalifornien. Ich denke wir müssen unsere eigenen demokratischen Formen und Wege finden, mit denen wir leben wollen und können.

 

 

Was macht man mit Abstimmungen, wie z. B. das Minarett Verbot in der Schweiz, die strittig sind.

In der Demokratie gibt es immer strittige Fragen. Die Frage ist nur, wie werden sie entschieden und wer entscheidet sie. Entscheidet sie eine Handvoll Menschen im Parlament oder die Mehrheit in der Gesellschaft. Es ist verkehrt zu glauben, dass die direkte Demokratie daran schuld sei, dass es prekäre und heikle Themen gibt. Im Gegenteil, die direkte Demokratie bietet die Chance, dass diese Themen auf den Tisch kommen. Die direkte Demokratie schafft einen gesellschaftlichen Spiegel. Der Spiegel ist auch nicht daran schuld, wie das Gesicht aussieht, das in ihn hineinsieht. Wenn dadurch unangenehme Themen offenbar werden, kann man sie auch lösungsorientiert angehen.

 

Sie sind Tänzerin. Was kam zuerst in Ihr Leben, die Kunst oder die Politik? Gibt es dabei eine Verbindung?

Ich behaupte, beides kam gleichzeitig zu mir. Denn ich glaube die Politik muss künstlerischer und die Kunst politischer werden.

 

Wie stehen Sie zur Anthroposophie?

Die Anthroposophie ist für mich eine Orientierung für die Entwicklung der menschlichen Freiheit und für die Sinnhaftigkeit allen Seins. Sie ist für mich eine Quelle, aus der heraus ich Kraft schöpfe, um mich wirklich dafür einsetzen zu können, was ich politisch bewegen möchte.

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