Jahrestagung 2010
<typohead type=1>Liberalisierung rundum: Interview mit Gerd Habermann</typohead>
Vom 11. bis 13. Juni findet unsere Jahrestagung zum Thema Geld und Demokratie statt. Einer der Redner ist Professor Gerd Habermann. Er stellte sich in einem Interview den Fragen von Anna Weidinger.
Mehr Demokratie: Stellen Sie bitte die Arbeit der „Familienunternehmer“ vor:
Gerd Habermann: Es handelt sich um eine Vereinigung konsequent marktwirtschaftlich eingestellter größerer Eigentümerunternehmer, die im Jahre 1949 mit Frontstellung gegen Staatsinterventionismus, Planwirtschaft und Großkonzerne gestartet ist. Der Verband ist an keine Brancheninteressen gebunden, daher kann er ein ehrliches ordnungspolitisches Bekenntnis haben und von daher rührt sein Interesse an den politischen Rahmenbedingungen des Marktes. Dazu gehören Fragen wie eine Reform der Demokratie: Es geht hier darum, die politische Entscheidungsqualität in Deutschland zu verbessern – unabhängig davon, ob Unternehmer davon unmittelbar Vorteile haben. Dadurch ist die Zusammenarbeit mit „Mehr Demokratie“ möglich.
Sie halten auf der Jahrestagung von „Mehr Demokratie e. V.“ einen Vortrag zum Thema „Rein in die Krise – raus aus der Krise“. Welche Ursachen hat Ihrer Meinung nach die aktuelle Wirtschaftskrise?
Am Anfang steht der schändliche Missbrauch des Papiergeld-Monopols durch die amerikanische Zentralbank. Die Manipulation der Zinsen nach unten – zwecks Förderung des Immobilieneigentums, also aus sozialpolitischen Gründen, verleitete viele Marktteilnehmer zu falschen Entscheidungen oder zu hemmungsloser Verschuldung. Das Platzen der Blase war seit langem abzusehen und wurde auch von etlichen Vertretern der Österreichischen Schule der Ökonomie (Mises, Hayek) vorhergesagt. Als man die Zinsen anheben musste, war die Katastrophe da. Inzwischen hat man die Zinsen wieder gesenkt und bereitet damit eine zweite Katastrophe (Platzen der Staatsschuldenblasen) vor; das sehen wir nun zuerst in Griechenland.
Welche Möglichkeiten gibt es, die Krise zu überwinden?
Drastischer Abbau der Staatsschulden, realistische Zinsbildung, Liberalisierung rundum: Fernziel ist die Ermöglichung guten Geldes durch echten Währungswettbewerb oder durch die Wiederbindung an eine Goldwährung, die ja seit 1971 vollständig abgeschafft ist.
Was fasziniert Sie an der Person Friedrich August von Hayeks? Gibt es eine Verbindung zwischen seinen Lehren und der direkten Demokratie?
Hayek ist keinesfalls nur Ökonom, sondern vor allem auch Sozialphilosoph mit einem großen historischen Bildungshintergrund. Hinzu kommt seine freiheitliche Gesinnung, seine geistvolle Evolutionslehre, sein Mut, sich mit seinen Meinungen sowohl innerhalb der Wissenschaft als auch in der allgemeinen Öffentlichkeit zu exponieren. Zur Direkten Demokratie sehe ich keine unmittelbare Beziehung. Er hat sich mit ihr nicht beschäftigt.
Die Familienunternehmer haben mit geistiger Unterstützung unseres Vereins die Broschüre „Für mehr Staatseffizienz und Direktdemokratie“ publiziert. Welche Chancen bietet die Direkte Demokratie für Unternehmen?
Das war nicht der entscheidende Gesichtspunkt, sondern es ging uns vielmehr um die Verbesserung der Qualität politischer Entscheidungen. Wir sehen hier eine Möglichkeit, mit Hilfe von Veto und Initiative die Parteienoligarchie einzudämmen, damit politischen Entscheidungen nicht mehr wie von einem Monopol gefällt werden. Nach empirischen Untersuchungen hat das freilich eine günstige Wirkung z. B. hinsichtlich der Steuerhöhe, der Staatsverschuldung oder der Staatseffizienz im Allgemeinen. Aber davon profitieren alle Bürger! Außerdem schult die Direkte Demokratie Bürger in Sachfragen und erhöht das Gefühl für Verantwortlichkeit: Sie ist ein Mittel gegen die zunehmende „Entpolitisierung“ eines großen Teils der Wähler, gegen die viel beschworene Politikverdrossenheit.
<typohead type=4>Das Interview führte Anna Weidinger</typohead>