"Haha, deine Zeitung stirbt..."
Die Zeitungskrise hat es schon in die Zeichentrickserie „Die Simpsons“ geschafft. In der realen Welt sind die Folgen der Medienkrise jedoch nicht geeignet, um darüber zu lachen – davon berichtet Daniela Beer.
Neulich rief ich bei einem bekannten Wirtschaftsmagazin eines noch weit bekannteren Verlagshauses an. Ich war verwundert, als mich statt eines Redakteurs eine Telefonhotline begrüßte. Freundlich wurde mir mitgeteilt, dass ich – obwohl ich eine Frankfurter Nummer gewählt hatte – mit meinem Anruf in Hamburg gelandet sei, mein Ansprechpartner jedoch auch in Berlin sitzen könne oder in Frankfurt, da die Redaktionen aller hauseigenen Wirtschaftsmagazine gerade zusammengelegt würden. „Wäre es möglich, mir eine Telefonnummer zu geben? Ich frage mich dann einfach durch“, erwiderte ich in meiner Naivität. Im Moment würden keine Telefonnummern oder Emailadressen herausgegeben, da diese personalisiert seien und man ja nicht wisse, wer von den Redakteuren in der nächsten Woche überhaupt noch da sei. Schließlich bekam ich noch eine Faxnummer.
Das Gespräch brachte mich zum Nachdenken. Wie kann es eigentlich sein, dass drei verschiedene Magazine in einer Redaktion produziert werden? Und wie soll man sich das in der Praxis vorstellen? Ein Redakteur, der das Finanzressort von drei Zeitschriften betreut? Von Meinungsvielfalt kann hier doch keine Rede mehr sein.
Umfassende Information: Eigentlich eine der Hauptaufgaben von Medien. Sicher, die günstigere Variante stellt das obige Modell dar. Es deswegen pauschal zu verteufeln wäre nicht richtig, auch Medienkonzerne sind auf Gewinne angewiesen, um weiter produzieren und konkurrenzfähig bleiben zu können.
Die Medienlandschaft ist im Schrumpfen begriffen. Inzwischen bringen 3 Prozent der Zeitungsverlage über die Hälfte der gesamten Zeitungsauflage heraus. Springer, Bauer, Gruner+Jahr und Burda kamen 2004 zusammen sogar auf einen Marktanteil von über 60 Prozent.
Diese Zahlen regen zum Nachdenken an. Gruner+Jahr ist beispielsweise Teil des Bertelsmann–Konzerns, zu dem die RTL–Gruppe sowie die Verlagsgruppe Random House und sogar das Plattenlabel BMG gehören. Die andere große Sendergruppe im deutschen Fernsehen, die ProSiebenSat1 Media AG, soll in den Besitz des Springer Konzerns übergehen – vorausgesetzt, das Kartellamt stimmt zu.
Unsere Demokratie ist auf unabhängige Medien angewiesen, die uns Informationen über das politische Tagesgeschehen liefern. Und, seien wir ehrlich, wir sind auch ein klein wenig froh darüber, diese Hilfe bei der Meinungsbildung zu bekommen.
Der Einfluss der Medien in unserer Demokratie lässt sich kaum negieren - Und was sind Medien in einer nicht demokratischen Gesellschaft wert? Ändert sich für sie irgendetwas, wenn sich die Demokratie selbst weiterentwickelt? Haben Medien wirklich die Macht, die man ihnen gerne zuschreibt? Begrenzen und kontrollieren sie die Macht der Politiker? Und wo bleibt der Bürger in diesem Spiel? Das sind die Fragen, die wir auf unserer Jahrestagung diskutieren:
<link jahrestagung.html>Weitere Informationen und Anmeldung</link>...
<typohead type=4>Daniela Beer, München</typohead>

