Bürgerrat zu Ernährung: „Es hat sich gelohnt!“

Mehr Wissen über nachhaltige Lebensmittel in Schulen, mehr Regeln für die Vermarktung ungesunder Lebensmittel und eine geringere Mehrwertsteuer auf Obst und Gemüse. Dies sind einige der Empfehlungen des schwedischen Bürgerrates zum Thema Ernährung.

Im Frühjahr 2023 hatten mehr als 60 Menschen aus ganz Schweden Vorschläge dazu erarbeitet, wie man nachhaltige Ernährung vereinfachen kann, um Gesundheit und Umwelt zu schützen. Nach vier Sitzungen hatte die Losversammlung 40 Vorschläge erarbeitet, die der schwedischen Lebensmittelbehörde vorgelegt wurden. Der Bürgerrat hat auch entschieden, welche Vorschläge seiner Meinung nach am wichtigsten sind. Zu den beliebtesten Vorschlägen gehörten

  • Ausweitung des Hauswirtschaftsunterrichts auf alle Klassenstufen und Neuformulierung des Fachs, um Nachhaltigkeit, Umwelt, praktischen Anbau, Gesundheit, Produktion und Kochen mit praktischen Elementen einzubeziehen.
  • Nutzung wirtschaftlicher Anreize, wie z. B. ermäßigte Mehrwertsteuersätze auf Grundnahrungsmittel sowie Obst und Gemüse, um den Verzehr von nachhaltigen Lebensmitteln und lokal erzeugten Zutaten zu fördern. Erhöhte Mehrwertsteuersätze für stark verarbeitete und ungesunde Lebensmittel können in Betracht gezogen werden.
  • Verbot des Wegwerfens genießbarer Lebensmittel durch Einzelhandelsgeschäfte, ohne sie vorher zu einem reduzierten Preis angeboten zu haben.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Bürgerrates hatten sich über die Auswirkungen von Lebensmitteln auf die Gesundheit und die Umwelt informiert, waren mit Experten zusammengetroffen und haben über Ideen und Vorschläge diskutiert, wie es einfacher werden kann, sich im Interesse von Gesundheit und Umwelt nachhaltig zu ernähren.

„Kluge und spannende Vorschläge“

„Es war sehr interessant, die Arbeit des Gremiums zu verfolgen und zu sehen, was sie sich ausgedacht haben. Das Engagement für Lebensmittel, Gesundheit und Umwelt war groß. Und es ist beeindruckend zu sehen, was für kluge und spannende Vorschläge dabei herausgekommen sind", sagt Annica Sohlström, Generaldirektorin der schwedischen Lebensmittelbehörde, die die Vorschläge des Bürgerrates während der Abschlusssitzung am 10. Juni 2023 entgegengenommen hatte.

"Eine fantastische Gruppe und eine Menge Diskussionen - es war großartig. Ich denke, es ist besonders wichtig, die Öffentlichkeit zu sensibilisieren. Jetzt hoffe ich, dass einige der Dinge, die wir vorgeschlagen haben, Realität werden!", erklärte die frisch pensionierte Teilnehmerin Conny aus Uddevalla

"Es hat sich sehr gelohnt, dabei zu sein! Ich habe viel gelernt, vor allem darüber, wie wir durch Werbung beeinflusst werden, mit dem sich meine Gruppe beschäftigt hat. Anfangs hatte ich die Einstellung, dass ich das vermitteln wollte, was ich für mich als wichtig empfunden habe. Aber es haben sich neue Türen geöffnet, das hat mich überrascht!", sagte Johanna aus Luleå, die sich mit Digitalisierung beschäftigt und Fitnesstrainerin ist.

Umsetzung eines Regierungsauftrags

Die Ideen des Bürgerrates sind zu Grundlagen für die Umsetzung eines Regierungsauftrags geworden, den die Schwedische Nationale Lebensmittelbehörde und die Schwedische Gesundheitsbehörde seit 2021 haben. Der Auftrag für die Behörden lautet, Ziele, Indikatoren und Aktionsbereiche für einen nachhaltigen und gesunden Lebensmittelkonsum vorzuschlagen.

Der Bürgerrat bestand aus mehr als 60 Personen im Alter von über 16 Jahren. Die Versammlung war so zusammengesetzt, dass sie die schwedische Bevölkerung in Bezug auf Alter, Geschlecht, Region und Bildungsniveau so gut wie möglich abgebildet hat.

Einladung per SMS oder Brief

Zur Gewinnung von Teilnehmerinnen und Teilnehmern waren 7.000 Personen per SMS oder Brief zur Teilnahme eingeladen worden. Diese konnten daraufhin ihr Interesse bekunden und einige Fragen u. a. zu Alter, Geschlecht und Bildungsstand beantworten. 70 Bewerberinnen und Bewerber wurden nach dem Zufallsprinzip für den Bürgerrat ausgelost. Der Bürgerrat ist insgesamt viermal zusammengetreten, davon zweimal online und zweimal in Stockholm.

Jede Sitzung dauerte sechs Stunden. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben ein Honorar von insgesamt 999 Schwedischen Kronen erhalten. Außerdem wurden die Kosten für Reise und Unterkunft übernommen.

Um die ordnungsgemäße Durchführung des Bürgerrates zu gewährleisten, wurde ein aus fünf Personen bestehender Überprüfungsrat eingerichtet. Dieser trat während des Verfahrens mehrmals zusammen, um Ratschläge und Rückmeldung zu geben.

Bürgervorschläge teilweise aufgegriffen

Die 40 Empfehlungen des schwedischen Bürgerrates zu nachhaltigem und gesundem Lebensmittelkonsum wurden teilweise aufgegriffen. Livsmedelsverket bestätigt ausdrücklich, dass sie als Grundlage für einen gemeinsamen Regierungsauftrag mit der Gesundheitsbehörde Folkhälsomyndigheten verwendet wurden.

Die Behörden legten 2024 Vorschläge für nationale Ziele, Teilziele, Messgrößen und Handlungsfelder für nachhaltigen und gesunden Lebensmittelkonsum vor. Seitdem wurden unter anderem neue Ernährungsempfehlungen und eine leicht verständliche Lebensmittelpyramide veröffentlicht sowie Maßnahmen gegen Lebensmittelverschwendung fortgeführt. Ein unmittelbarer Zusammenhang dieser einzelnen Maßnahmen mit bestimmten Bürgerempfehlungen ist jedoch nicht durchgehend nachgewiesen.

Weitergehende Vorschläge wie eine Zuckersteuer, die Befreiung unverarbeiteten Obstes und Gemüses von der Mehrwertsteuer, kostenloses Obst oder Gemüse für alle sowie eine umfassende Gesundheits- und Nachhaltigkeitskennzeichnung wurden bislang nicht verwirklicht.

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