Corona und Klima-Neutralität

Eine überwältigende Mehrheit der Mitglieder des britischen Klima-Bürgerrates „Climate Assembly UK“ fordert Regierung, Arbeitgeber und andere Akteure dazu auf, Veränderungen zu unterstützen, die Großbritannien klimaneutral machen würden.

Der am 23. Juni 2020 veröffentlichte Zwischenbericht „Covid-19, Recovery and the Path to Net Zero“ der zufällig gelosten Bürgerversammlung, bietet einen Einblick in die Art und Weise, wie mehr als 100 Bürgerrat-Mitglieder versuchen, Parlament und Regierung ein Verständnis für die Meinung der Bevölkerung zur Klimaneutralität des Landes nahezubringen. Auch geht es um die Auswirkungen der Corona-Krise auf das Erreichen des Ziels Klimaneutralität.

Konjunktur-Programm für Klima-Neutralität

Die Mitglieder der Climate Assembly UK sind von Alter, Geschlecht, Bildung, Wohnort und Migrationshintergrund her ein Abbild der Bevölkerung. Sie haben sich an mehreren Wochenenden mit dem Klimawandel und möglichen Maßnahmen dagegen befasst. Das Ergebnis:

  • 79 Prozent der Bürgerrat-Mitglieder "stimmten nachdrücklich zu" oder "stimmten zu", dass "Schritte, die von der Regierung unternommen werden, um der Wirtschaft zu helfen, sich von den Auswirkungen der Corona-Maßnahmen zu erholen, so gestaltet sein sollten, dass sie zum Erreichen der Klimaneutralität beitragen".
  • 93 Prozent der für den Bürgerrat Ausgelosten stimmten "nachdrücklich zu" oder "stimmten zu", dass "Regierung, Arbeitgeber und/oder andere bei der Lockerung der Corona-Einschränkungen Maßnahmen ergreifen sollten, um eine Änderung des Lebensstils insofern zu fördern, dass dieser mit dem Erreichen des Ziels der Klimaneutralität besser vereinbar ist".

"Kein weiterer Schaden für den Planeten"

"Der Ausbruch des Corona-Virus und der darauf folgende Lockdown haben enorme Auswirkungen auf die Wirtschaft und das Leben der Menschen gehabt. Es ist für die Regierung, das Parlament und die Wirtschaftsverbände jetzt wichtig, sich nachdrücklich für ein Konjunktur-Programm einzusetzen, das dem Planeten keinen weiteren Schaden zufügt. Wir haben den Ausbruch des Corona-Virus beim Klima-Bürgerrat diskutiert, und es war ziemlich klar, dass viele der Bürgerrat-Mitglieder der Meinung sind, dass der jetzige Zeitpunkt als Gelegenheit genutzt werden sollte, um eine grüne Erholung der Wirtschaft zu fördern, wobei der Schwerpunkt auf der Förderung eines saubereren, grüneren Lebensstils und einer Wirtschaft liegen sollte, die Nachhaltigkeit über kurzfristige Vorteile stellt, die dem Planeten Schaden zufügen würden. Wir wollten sicherstellen, dass unsere Ansichten jetzt wahrnehmbar sind, damit die Regierung sie in ihr Konjunktur-Programm aufnehmen kann."

Bürgerrat-Mitglied Ibrahim, Arzt aus Surrey

Die 108 Mitglieder, die im Januar 2020 den britischen Klima-Bürgerrat begründeten, wurden ausgewählt, um die Bevölkerung Großbritanniens in Bezug auf Demografie und Grad der Besorgnis über den Klimawandel zu vertreten. Die Versammlung traf sich an drei Wochenenden in Birmingham von Angesicht zu Angesicht, bevor das letzte Wochenende (geplant für den 20. bis 22. März) angesichts der Corona-Pandemie verschoben und online auf drei Wochenenden im April/Mai umorganisiert wurde.

Zwei Empfehlungen umgesetzt

Die beiden Empfehlungen des Zwischenberichts der Climate Assembly UK zur wirtschaftlichen Erholung nach der Corona-Pandemie wurden zumindest teilweise umgesetzt.

79 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten gefordert, staatliche Maßnahmen zur wirtschaftlichen Erholung so zu gestalten, dass sie zugleich zum Erreichen der Klimaneutralität beitragen. Die britische Regierung verband anschließend Teile ihres „Plan for Jobs“ mit milliardenschweren Investitionen in energetische Gebäudesanierung und legte im November 2020 einen Zehn-Punkte-Plan für eine „grüne industrielle Revolution“ vor, der die wirtschaftliche Erholung ausdrücklich mit Klimaschutz, klimafreundlichen Arbeitsplätzen und dem Ziel der Klimaneutralität verknüpfte. Die Forderung kann daher als weitgehend umgesetzt gelten, auch wenn nicht sämtliche Corona-Wirtschaftshilfen an Klimaziele gebunden wurden.

Unmittelbarer Zusammenhang nicht nachweisbar

Die zweite Empfehlung, beim Ende des Lockdowns klimafreundlichere Lebensweisen zu fördern, wurde teilweise aufgegriffen, unter anderem durch Investitionen in öffentlichen Verkehr, Rad- und Fußverkehr, emissionsfreie Fahrzeuge und Gebäudesanierung.

Beide Empfehlungen des Zwischenberichts können damit als mindestens teilweise umgesetzt gelten. Ein unmittelbarer ursächlicher Zusammenhang mit sämtlichen Maßnahmen lässt sich allerdings nicht nachweisen, da auch andere Akteure eine klimafreundliche wirtschaftliche Erholung forderten.

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