Zufallsbürger beraten Tourismusstrategie für Sylt

Sylt gilt als Urlaubsparadies an der Nordsee – rund 870.000 Gäste besuchen die Insel jedes Jahr, hinzu kommen Millionen von Tagesgästen. Der Tourismus ist die wichtigste Einnahmequelle der Region, doch für die rund 14.000 Einwohnerinnen und Einwohner wird der Erfolg zunehmend zur Belastung.
Deshalb haben die Sylter Gemeinden Hörnum, Kampen, List auf Sylt, Sylt und Wenningstedt-Braderup die Sylt Marketing GmbH (SMG) im Dezember 2025 mit der Erarbeitung einer Tourismusstrategie beauftragt. In einem mehrstufiger Beteiligungsverfahren werden dabei die verschiedenen Perspektiven zur touristischen Entwicklung der Insel erfasst und systematisch zusammengeführt. Zum Verfahren gehört auch eine „Zufallsbürgergruppe“ mit 35 Mitgliedern.
Breite Beteiligung
Der Beteiligungsprozess ist in mehrere aufeinander aufbauende Phasen und Formate gegliedert. Zunächst wurden seit 27. April 2026 zentrale Themen und Fragestellungen erfasst und strukturiert, anschließend ab Mitte Juni 2026 in verschiedenen Formaten vertieft und zu Empfehlungen zusammengeführt.
Das Beteiligungsverfahren wird von einem 26-köpfigen Lenkungskreis mit den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern der Insel sowie Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft, Politik, Natur, Kultur und Gesellschaft unterstützt. Das Gremium begleitet den Prozess fachlich, achtet auf die Einbindung unterschiedlicher Perspektiven und stellt sicher, dass die Ergebnisse eine tragfähige Grundlage für politische Entscheidungen bilden.
Mit der Durchführung ist das nexus Institut gemeinsam mit Moderatorin Claudine Nierth beauftragt. Nierth ist Bundesvorstandssprecherin von Mehr Demokratie.
Phase 1: Themen erfassen und strukturieren
Im Mittelpunkt der ersten Phase stand die Erarbeitung einer sogenannten Themenlandkarte. Den Auftakt dazu bildete ab dem 27. April 2026 eine digitale Umfrage unter den Gemeindevertreterinnen und -vertretern zur Sammlung relevanter Themen und Fragestellungen im Zusammenhang mit der touristischen Entwicklung Sylts.
Die Ergebnisse flossen in die Themenlandkarte ein, die am 18. Mai 2026 im Rahmen einer dialogischen Themensammlung mit zentralen Akteuren der Insel konkretisiert und weiterentwickelt wurde. Beteiligt waren Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung, Natur- und Umweltschutz, Kultur sowie weiteren gesellschaftlichen Bereichen.
Online-Beteiligung
Im Zeitraum vom 27. Mai bis 10. Juni 2026 war die Themenlandkarte in einer offenen Online-Beteiligung zur Kommentierung gestellt. Insgesamt 759 Menschen hatten sich an der Online-Umfrage beteiligt und ihre Ideen und Erfahrungen zur künftigen touristischen Entwicklung der Insel geteilt. Darunter waren 337 Urlauberinnen und Urlauber, 299 Einheimische, 97 Zweitwohnungsbesitzerinnen und -besitzer und 26 Pendlerinnen und Pendler.
Eine erste Auswertung zeigt: Vor allem Fragen rund um Mobilität und Erreichbarkeit beschäftigen die Menschen – sowohl Einheimische als auch alle übrigen Gruppen. Dieses Themenfeld erhielt die meisten Kommentare. Daneben spielen auch Wohnraum, die Gestaltung touristischer Angebote sowie die künftige Positionierung der Insel eine wichtige Rolle.
Die Themenlandkarte dient als inhaltlicher Kompass für die Beteiligungsformate der zweiten Phase.
Phase 2: Perspektiven vertiefen und Empfehlungen entwickeln
In der zweiten Phase werden die Themen in Ortsgruppen, Fokusgruppen und einem Kreis von zufällig ausgelosten Bürgerinnen und Bürgern weiter vertieft. Zunächst brachten vom 15. bis 19. Juni 2026 Ortsgruppen die Perspektiven der zwölf Inselorte ein. In Kleingruppen ging es um die Rolle und das Profil des jeweiligen Ortes, um Herausforderungen und Konflikte ebenso wie um Potenziale und Ideen.
Parallel dazu haben vom 15. Juni bis 3. Juli 2026 sogenannte Fokusgruppen an einzelnen Themenfeldern gearbeitet. In diesen Runden kamen Fachleute aus unterschiedlichsten Bereichen zusammen, um Fragestellungen zu vertiefen und mögliche Lösungsansätze zu diskutieren.
Zufallsbürgergruppe
Vom 7. Juli bis 8. August 2026 ergänzt eine Zufallsbürgergruppe aus 33 Personen den Prozess. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden per Zufallsauswahl aus den fünf Inselgemeinden ermittelt und nach den Kriterien Alter, Geschlecht, Wohnort und Bildungsgrad zusammengesetzt, um die Breite der Inselgesellschaft abzubilden. Hierfür wurden im Mai 2.000 Personen aus den Einwohnermelderegistern der Sylter Gemeinden ausgelost und eingeladen. 160 Ausgeloste hatten Interesse an einer Teilnahme bekundet. Ergänzend werden auch zwei Personen einbezogen, die auf Sylt arbeiten, aber außerhalb der Insel wohnen.
Die Ergebnisse aller Formate werden im Rahmen einer Übergabeveranstaltung am 26. August 2026 vorgestellt.
Ausarbeitung und Beschluss der Strategie
Im Anschluss werden die Ergebnisse durch die Gemeindevertretungen geprüft. Darauf aufbauend erfolgt die fachliche Ausarbeitung der integrierten Tourismusstrategie, die abschließend politisch beraten und beschlossen wird. Die Umsetzung soll anschließend schrittweise auf Grundlage eines Maßnahmenplans erfolgen. Die Fertigstellung der Tourismusstrategie ist für Ende 2026 vorgesehen.