Wie jeden Morgen geht mein Blick auch heute als erstes aus dem Fenster. Nasser Boden, leichter Regen. Mist! Gestern abend hatte ich noch einen kurzen Blick auf die Seite eines Online-Wetterdienstes geworfen, der für Thüringen Regen voraussagte. Und die Prognose scheint einzutreffen. Aber gut, erstmal rüber ins Büro zum Frühstück.
Mit leichter Verspätung starten Fabian und ich wenig später Richtung Aldi-Parkplatz, wo uns die Thüringer Aktiven Frau Mittelstaedt und der schon bekannte Erwin Jentsch bereits erwarten. Und es läuft direkt richtig gut. In der ersten dreiviertel Stunde bekommen wir fast 50 Unterschriften beisammen. Außerdem klart der Himmel mehr und mehr auf und die Sonne kommt raus. Leider verhält sich unser Sammelerfolg entgegengesetzt zur Wetterentwicklung. Während wir öfter und öfter den Schatten eines kleinen Baumes aufsuchen müssen, wird der Strom der Einkaufenden immer geringer.
Während des Mittagstiefs kommen mir Gedanken über die Unterschiede zwischen den Unterschriftensammlungen für die Initiativen in Thüringen und Nordrhein-Westfalen:
Grundsätzlich wirken die allermeisten Thüringer weniger gehetzt als die Passanten in NRW, sind oft sehr freundlich und wissen meist schon, worum es beim Volksbegehren geht. Viele kommen auch von selbst an den Stand um zu unterschreiben. Bei einigen wenigen desinteressierten Passanten gibt es allerdings einen frappierenden Unterschied zu NRW. Während Desinteressierte in Köln, Bochum oder Münster meist nur kurz mit dem Arm wedeln und dann gestresst weiterziehen, schauen mich hier viele sehr böse an. Die frustrierte Aussage ist jedoch in West und Ost gleich: "Die machen doch sowieso was sie wollen!" Ich setzte den finsteren Mienen ein breites Lächeln entgegen. Dadurch gelingt es mir, einige Gesichter aufzuhellen und so von der Partei-Politik frustrierte Passanten für unser Volksbegehren (und - wie ich hoffe - die Demokratie) zu gewinnen.
Nach der Mittagspause läuft die Sammlung deutlich besser. Da bereits über 20 Prozent der Eisenacher unterschrieben haben, bekommen wir oft ein "Hab schon" zu hören. Gleichzeitig fragen viele aber interessiert nach dem aktuellen Stand der Unterschriften, bedanken sich für unseren Einsatz oder nehmen noch einige Unterschriftenlisten mit. Am Ende eines anstrengenden Sammeltages haben wir 150 Unterschriften gesammelt. Im Auto begutachte ich meine Gesichtsfarbe: statt infostandbraun ein leichtes infostandrot. Steht mir aber auch gut. Ziemlich erschöpft freue ich mich auf einen ruhigen Abend beim Telefondienst in meinem neuen Wohnzimmer, dem Eisenacher Kampagnenbüro.

