Zukunftsgestaltung im Rheinischen Revier
2030 endet der Bergbau im Rheinischen Revier. Das ändert vieles. Die in der Braunkohleförderung Beschäftigten müssen sich neue Arbeitsplätze suchen. Gleiches gilt für Menschen in der damit verbundenen Verstromung, in der Kraft-Wärme-Kopplung und in den Zulieferbereichen.
Es entstehen riesige Seen, da der noch verfügbare Abraum nicht ausreicht, um die aufgelassenen Tagebaue zu füllen. Das alles wird mit dem Begriff „Strukturwandel“ umschrieben. Für diesen Wandel gibt es öffentliche Mittel, die helfen sollen, die Auswirkungen der Veränderungen sozialverträglich abzufedern.
Mitwirkung an Zukunftsgestaltung
Vor diesem Hintergrund hatte die Landesregierung Nordrhein-Westfalen am 16. September 2025 die Einrichtung eines Bürgerrates für das Rheinische Revier beschlossen. Der Bürgerrat bot Einwohnerinnen und Einwohnern ab 16 Jahren die Möglichkeit, aktiv an dieser Zukunftsgestaltung mitzuwirken.
Die Losversammlung bestand aus 97 Bürgerinnen und Bürgern, die die Vielfalt der Bevölkerung im Rheinischen Revier bestmöglich abgebildet haben. Grundlage dafür war ein Losverfahren auf Basis des Einwohnermelderegisters. Dazu hatten im Januar 2026 rund 7.000 Bürgerinnen und Bürger aus dem gesamten Revier einen Brief erhalten. Darin wurden sie gebeten, sich für den Bürgerrat zu bewerben. 227 Interessierte waren dieser Einladung gefolgt.
Vielfältige Zusammensetzung
Die Losversammlung wurde in einem geschichteten Losverfahren nach Merkmalen wie Alter, Bildungsgrad, Geschlecht und räumlicher Verteilung im Revier möglichst vielfältig zusammengesetzt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen aus dem Rhein-Erft-Kreis, dem Kreis Düren, der Städteregion Aachen, dem Kreis Heinsberg, dem Rhein-Kreis Neuss und der Stadt Mönchengladbach.
Die konkrete Fragestellung, mit der sich der Bürgerrat befasst hatte, hatte sich aus dem „Ziel- und Meilensteinplan Rheinisches Revier“ der Landesregierung abgeleitet. Sie wurde von einer Vorbereitungsgruppe im ersten Quartal 2026 entschieden. Die Vorbereitungsgruppe bestand aus acht Mitgliedern des Bürgerrates und acht Vertreterinnen und Vertretern der Landesregierung NRW. Das Thema wurde aus den Zukunftsfeldern Innovation und Bildung, Energie und Industrie, Raum und Infrastruktur oder Ressourcen und Agrarwirtschaft ausgewählt.
Arbeit des Bürgerrates
Der Bürgerrat kam an drei Sitzungswochenenden im Mai, Juni und Juli 2026 im Rheinischen Revier zusammen und erarbeitete in moderierten Kleingruppen Handlungsempfehlungen.
Die erarbeiteten Empfehlungen werden nun aufbereitet und am 24. September auf der großen Revier-Konferenz 2026 von einigen Mitgliedern des Bürgerrats an die Wirtschaftsministerin Mona Neubaur übergeben. Die Landesregierung prüft und bewertet die Handlungsempfehlungen und entscheidet danach, ob beziehungsweise wie diese Empfehlungen umgesetzt werden können.
„Ich freue mich jetzt schon darauf, Ihre Empfehlungen auf den Schreibtisch zu bekommen, und ich sage Ihnen zu, dass diese Empfehlungen nicht in der Schublade verschwinden werden“, versprach NRW-Wirtschaftsministerien Mona Neubaur (Grüne) den fast 100 Menschen, die sich zum Auftakt des Bürgerrates am 30. Mai 2026 in der Kulturmuschel im Jülicher Brückenkopfpark versammelt hatten.
Hintergrund
Ziel des Bürgerrates war es, Perspektiven aus der Bevölkerung systematisch einzubeziehen, Vertrauen zu fördern und politische Entscheidungen nachvollziehbarer zu gestalten. Der Bürgerrat ergänzt damit bestehende Beteiligungsformate im Revier.
Auftraggeberin der Losversammlung war die Zukunftsagentur Rheinisches Revier. Die Zukunftsagentur ist eine zentrale Akteurin im Strukturwandel des Rheinischen Reviers. Sie bündelt die regionalen Interessen, begleitet den Einsatz von Fördermitteln und entwickelt regionale Strategien. Zudem informiert sie über Fördermöglichkeiten, vernetzt Akteurinnen und Akteure und fördert die nachhaltige Nutzung der Strukturstärkungsmittel. Die Zukunftsagentur wird durch Gesellschafteranteile und Landesfördermittel finanziert.
Rheinisches Revier
Das Rheinisches Revier ist ein Bergbaurevier in der Kölner Bucht, am Nordwestrand des Rheinischen Schiefergebirges. Der Abbau der Braunkohle im Tagebauverfahren hat hier maßgeblich landschaftsverändernd gewirkt und zur Ausbildung einiger bedeutender Industriestandorte geführt. Das Revier umfasst die Zülpicher und Jülicher Börde, die Erftniederung und die Ville. Das Rheinische Revier ist eines der größten Braunkohlereviere in Europa.